Lange Nächte Tag
Roman

Kurzkritik

Als «Liebesroman» bezeichnet der Dramatiker Simon Froehling sein Prosadebüt und zielt damit sowohl auf ein ironisches Spiel mit trivialen Mustern wie auf den ernsten Versuch, eine homosexuelle Liebesbeziehung in allen Schattierungen ihrer Ambivalenz zu fassen: Beziehungsangst mischt sich mit Verlustangst, hohe Liebe mit krudem Sex, pulsierendes Leben mit erschreckender Todesnähe. Der Online-Journalist Patrick Troesch verliebt sich in einer Nacht in den jüngeren Bildredaktor Jirka Sedlak und verliert ihn gleich wieder an die Sex- und Drogenszene und durch sie an Aids, bis er ihn schliesslich durch seine Opferbereitschaft wiederfindet. Der Roman zeigt das Pathos intimer Gefühle und die Ekstase urbaner Fickorgien ebenso wie – in den Erinnerungen Patricks – die Enge einer gefühlsstummen Familie auf dem Land. Für alle Register findet er die passenden Worte, sachlich präzis, eindringlich und hart gefügt wie im Titel. Im Zeichen von Aids mischen sich Unschuld und Schuld wieder wie in alten Tragödien. (Daniel Rothenbühler)