Sin lautget
Raquent

“Olivia, jeu hai empriu d’enconuscher aschi in vegl”.
“Ah gie! Con vegls?”
“Grev da dir. Aschi vegls ch’el ei aunc attractivs, denton aunc buc in tat”.
“Mo gliez ei lu empau grusig”.
“Na, na, forsa aschi trentaschun?”

L’autura giuvna Asa Hendry preschenta ses debut cul titel “Sin lautget”. Ella raquinta da la giuvna Emma, ch’è fascinada da la lectura d’Andreas Walser (1908-1930) ed emprenda d’enconuscher tras ina exposiziun in autur. Els cumenzan ina relaziun, schegea che l’autur è dubel uschè vegl sco Emma…

(Chasa Editura Rumantscha)

“Olivia, ich habe so einen Alten kennengelernt”.
“Ah ja! Wie alt?”
“Schwer zu sagen. So alt, dass er noch attraktiv ist, dennoch kein Grossvater”.
“Aber das ist doch etwas grusig”.
“Nein, nein, vielleicht so fünfunddreissig?”

Die Jungautorin Asa Hendry legt ihren Erstling vor. In “Sin lautget” (Auf dem Balkon) erzählt sie von der jungen Emma, die die Lektüre von Andreas Walser (1908-1903) fasziniert und dadurch einen Autoren kennenlernt. Die beiden beginnen eine Beziehung, obwohl er fast doppelt so alt ist wie Emma…

(Chasa Editura Rumatscha)

Kurzkritik

Mit Sin lautget (Auf dem Balkon), legt die 19-jährige Asa S. Hendry ihren Erstling vor, der die Begegnung zweier Menschen ohne geistige Schranken beschreibt und dabei Themen wie (Trans-)Sexualität und Selbstverletzung nicht scheut. Der Bündner Maler und Dichter Andreas Walser (1908–1930), Autor des illustrierten Prosagedichts Le balcon, begleitet Hendrys Protagonisten durch ihr zerrissenes Leben. Die 16-jährige Emma ist Schülerin an der Kantonsschule Chur. Auf der Suche nach der eigenen Identität, zwischen der »Großstadt« und ihrem kleinen Heimatdorf Surrein, trifft sie auf den «alten» 37-jährigen Autor Alex, der gerade eine Schreibblockade hat. Beide sind von Walser fasziniert, beide sind aber auch auf der Suche nach der Künstlerexistenz und treffen sich dabei immer wieder auf dem Balkon: im Freiraum, wo die Gedanken (mit dem Zigarettenrauch) davonfliegen können, wo es weder Normen noch Tabus gibt – dort, wo die Inspiration entsteht.

(Valeria Badilatti in Viceversa 13, 2019)