Nicht bei Trost Capricci
kurzfristig wende
ich mich dem Nussknacken zu
das ist keine Kunst
ich weiß es doch geschieht es
hier auf dem Papier
geräuschlos und ist deshalb
vielleicht mehr als das
bloße Knacken von Nüssen
was ich höre gleicht
immer mehr dieser Stille
die alles umgibt
andererseits meine ich
beim Betrachten von
Früchten beispielsweise sei
deren Klang deutlich
zu hören wahrzunehmen
wie die Zitrone
schrill den atemholenden
Apfel übertönt
Franz Dodels einzigartiges Endlos-Poem Nicht bei Trost ist inzwischen auf unglaubliche 36 000 Verse angewachsen. Seit 2002 arbeitet der Autor täglich an einem sich wie von selbst fortspinnenden Textgewebe, das sich nicht an Ende, Ziel und suspekten Trostangeboten orientiert, sondern an der Offenheit schweifender Reflexion und sinnlich genauer Betrachtung. Durch den ruhigen rhythmischen Wortstrom fügen sich die Fülle von Dodels Bildern und Zitaten, biografische Erinnerungsbruchstücke und Naturbetrachtung zu einer leichtfüßigen Meditation über Gott, die Welt und das Ich.
Der nun vorliegende sechste Teil von Nicht bei Trost umfasst die Verse 30 001–36 000 und erscheint in derselben Ausstattung wie die Vorgängerbände: feinstes Dünndruckpapier im geschmeidigen Lederfasereinband.
(Buchpräsentation Edition Korrespondenzen)
Das Langgedicht Nicht bei Trost ist ein einzigartiges poetisches Unternehmen. Seit 2002 schreibt Franz Dodel Tag für Tag daran weiter, um festzuhalten, was ihm durch den Kopf geht und in die Schreibhand fließt. »ich suche Streugut / in weglosem Gelände«, heißt es darin einmal. Diese Beiläufigkeit prägt zusammen mit einem rituellen Charakter den Gedankenfluss, im regelmäßigen Takt von abwechselnd fünfund siebenzeiligen Versen. Nicht bei Trost ist kein Tagebuch, es ist ein fortlaufendes, gelassenes Nachdenken über Leben und Tod, Natur und Kultur, das auf über 39 000 Verse angewachsen ist. Die ersten 36 000 Verse sind in einer Kassette mit sechs Bänden nun integral erschienen. (Beat Mazenauer in Viceversa 14, 2020)