Langues de meehr

Kurzkritik

Sprachen sind Verständigungssysteme, die an den Rändern unscharf werden. Heike Fiedler macht sich dies vielsprachig zunutze. Wie das Wort «listen» zu verstehen ist, hängt von seinem Kontext ab. Stehen englische Worte dabei, gerät es zu einem «hören», deutsch gewendet meint es Aufzählungen oder eine «List» im Plural. In der Tradition von Bildgedicht, konkreter Poesie und Oulipo ruft Heike Fiedler in ihren «GeDichten» und «PoeMen» all diese Ambivalenzen, Doppeldeutigkeiten, Verschiebungen ab und erweitert sie um bildnerische Mittel. Derart demonstriert sie die poetische Variationsbreite zwischen Sprache, Text, Bild und Klang. Gerne wird dabei die Lesbarkeit auf die Probe gestellt. Doch wer sich die Sätze laut vorliest, kann hinter die unverständliche Oberfläche hören und in den Text eintauchend dessen Sinn erfahren. Heike Fiedler bringt die Sprache in neue Ordnung und erweist so der digitalisierten und globalisierten Welt ihre poetische Reverenz. (Beat Mazenauer)