Drei Väter Graphic Novel
Eine autobiografische, stilistisch überragende und rasant erzählte Graphic Novel über eine Patchworkfamilie.
Aus der Sicht des Kindes erzählt Nando von Arb das Aufwachsen mit zwei Geschwistern und einer alleinerziehenden Mutter, die dabei an ihre Grenzen kommt. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, die Kinder vor allem und jedem zu beschützen. Drei Väter gehen in diesem Haushalt ein und aus: Sein leiblicher Vater, er hat sich von der Mutter getrennt, als Nando zwei Jahre alt war; Kiko, der Vater seiner Schwester, sowie Zelo, der Partner der Mutter. Zu jedem dieser drei Männer hat der kleine Nando eine eigene, wichtige Beziehung — zum Vater eine wehmütige, zu Kiko eine komplizenhafte und zu Zelo eine aufbauende.
In von Arbs Geschichte taucht die Mutter als Vogel und der Vater als wildes Tier auf — diese symbolische Darstellung der Figuren entpuppt sich als überzeugendes Stilmittel.
Drei Väter wurde an der Hochschule Luzern in der Sparte Bachelor Illustration Fiction mit dem Förderpreis zeugindesign-Stiftung 2018 ausgezeichnet.
(Präsentation der Graphic Novel, Edition Moderne)
Expressive Frische
Drei Väter erzählt eine farbenfrohe Familiengeschichte mit autobiographischen Zügen. Ein kleiner Junge wächst in einer Patchworkfamilie mit einer Mutter, zwei Schwestern und drei Vätern auf. So kompliziert die Verhältnisse erscheinen, so harmonisch geht es letztlich trotz allem dabei zu. Den drei ungleichen Vätern weist der Zeichner Nando von Arb je eine prägnante Gestalt zu, mit der er sie auf rohe Art präzise charakterisiert. Der leibliche Papi ist ein Wolf, Mutters Zweiter Mann Kiko gleicht einem Hampelmann mit Gummi-Beinen, und der aktuelle Liebhaber Zelo steht da wie ein archaischer Muskelprotz mit kleinem Kopf. Jeden von ihnen erlebt der kleine Pimpf auf seine Weise als freundliche Gestalt. Dafür sorgt auch die Mutter, die als grosser weisser Vogel mit weiten Flügeln beschützend über ihn und seine Schwestern wacht.
Nando von Arb hat für seine Familiengeschichte eine formal befreite Bildsprache gefunden. Die Figurenzeichnung behält etwas kindlich Ungelenkes, ja fast Art-Brut-Mässiges, wodurch sie expressive Frische und Kraft ausstrahlt. Die Doppelseite ist virtuos gestaltet. Mal zeigt sie grosse Tableaus, mal vereint sie kleinteilige Szenen, doch immer ohne klassische Panelstruktur.
Bildnerisch variiert von Arb zwischen schwarzer Strichzeichnung und grosszügigen Farbflächen in satten, knalligen Tönen, die hin und wieder in ein psychedelisches Farbenspiel übergehen. Die Sprache bleibt demgegenüber zurückhaltend eingesetzt, sie behält immer etwas Kindliches und macht so deutlich, wessen Perspektive hier gilt.
Auch wenn nicht jede der Anekdoten ganz zu Ende erzählt und die Dramaturgie ab und an sprunghaft wirkt, überzeugt die furiose, hinreissende Graphic Novel mit ihrer kühnen Bildsprache, frechen Erzählweise und gänzlich unverwechselbaren Handschrift. Zu alledem gesellt sich die ausgesprochen gute Druckqualität und die schöne Ausstattung mit den drei farbigen Lesebändchen.