Paarbildung
Roman

Kurzkritik

Der Psychologe Andreas Lüscher, ein Mann Mitte fünfzig, betreut Krebspatienten in einem Spital des schweizerischen Mittellands. Karzinom, Dosisfraktion und Paarbildung heissen die Begriffe, die seine Kollegen, die Onkologen, verwenden. Dass der Ausdruck Paarbildung auch noch etwas anderes bedeuten kann als die Strahlenabsorption des kranken Gewebes während der Chemotherapie, kommt ihm erst wieder zu Bewusstsein, als ihm die Akte der Patientin Meret Matter vorgelegt wird. Ist das die Frau, die er als junges Mädchen kennenlernte, die er liebte und die er vor sechzehn Jahren unter rätselhaften Umständen aus den Augen verlor? Lüscher übernimmt ihre Betreuung, scheitert aber kläglich mit dem Versuch, sie aus dem Inkognito heraus zu therapieren. Urs Faes, der in den Roman genau so überzeugend die Sprache der Medizin einführt, wie in Augenblicke im Paradies jene der Zuckerbäckerei und in Ombra jene der Kunst, lässt aus der Wiederbegegnung der beiden Menschen dennoch eine stille, ergreifende Liebesgeschichte aufkeimen. So bezeugt er seine Meisterschaft als Erzähler ebenso wie seine lange Erfahrung in Sachen Wiederbelebung von Erinnerung. (Charles Linsmayer)