aber ein roter Apfel liegt alleweil drin
Gedichte

Dass ein Alltagsphilosoph lächle, heißt es einmal. Da wird genau hingeschaut, da dienen die kleinen Dinge des Lebens und die großen Naturerscheinungen zu Metaphern des Daseins. Am Ende bleiben wir nachdenklich zurück, aber auch getröstet, denn Sylvia Steiner versichert: ich locke die sonne / aus einem Mauseloch.

(Buchpräsentation Wolfbach Verlag)

Geheimnis des Unauflöslichen

von Beat Mazenauer
Publiziert am 12.02.2019

Sylvia Steiners Gedichte im Band aber ein roter apfel liegt alleweil drin zeichnen sich durch ihr schlankes Format aus. Ein zwei, seltener drei, vier Worte pro Zeile formen sich zu kurzen Momenten und Bildern, die sich oft in einer knappen «Pointe» auflösen – wobei diese Pointe manchmal mit einem kleinen Geheimnis des Unauflöslichen spielt. Da ist beispielsweise der kleine Ägypter «mitten im gelben triumph des frühlings»: ein Herbstblatt, das in einer Mauerritze den Winter überdauert hat. Andernorts triumphiert die Liebe über den Tod in Form des Vogelgesangs in den hohen Bäumen auf dem Friedhof. Es sind oft solche Kleinigkeiten, die Sylvia Steiner festhält. Präzise wie im Titelgedicht «eden». Im paradiesischen Sprachgarten ist die Ernte nie sicher – «aber ein roter apfel / liegt alleweil drin».
Das evoziert hin und wieder schöne, eingängige Bilder; oft aber beziehen sich die Gedichte vordergründig nur auf die eigene poetische Arbeit, wenn etwa das lyrische Ich davon träumt, «in wörtern zu baden» oder die Wolken wie Wörter abzuseilen. Die dichtende Selbstreferenz ist hier ein wichtiges Merkmal. Mit hinzu tritt gerne eine didaktische Note: Wenn «müll von morgen / entsorgt / müll von heute» – der vergängliche Mensch also mit Flaschen zur Sammelstelle geht.

Aus: «Kosmos und Mikrokosmos. DIE REIHE im Wolfbach Verlag, Jahrgang 2019», Fokus von Beat Mazenauer, 13.01.2020