Uferschnee
Kriminalroman

GROSSDEAL IN KLEINBASEL Ein Drogenschmuggler liefert im Basler Rheinhafen zu wenig Kokain ab und stirbt. Aushilfsdetektiv Fischer wird in den Fall hineingezogen, denn der Freund seiner Tochter hat das verlorene Kokain gefunden. Und behalten. Fischers Spezi Franz Gsöllpointner von der Basler Kripo hat ein paar Polizeiskandale am Hals, trotzdem hilft er Fischer. Dem verrät eine Kiste Wein zufällig, wer der Kokainpapst von Basel ist. Viel anfangen kann er damit jedoch nicht, denn er wird vom Blitz getroffen - oder doch von einem gezielten Schlag?

(Buchpräsentation Gmeiner Verlag)

Schnee im Basler Teigg

von Beat Mazenauer
Publiziert am 07.02.2019

Schnee im Basler Teigg

Intensiver als Roger Graf bezieht Wolfgang Bortlik die geographische Region, also die Stadt Basel, in seine Kriminalromane mit ein. Nicht zum ersten Mal geraten in seinem jüngsten Buch Uferschnee die beiden Freunde Gsöllpointner und Fischer einander in die Quere, wobei diese abermals einer glücklichen Auflösung des Falles nicht im Wege steht. Während der resolute Kommissär Gsöllpointner über eigenartigen Vorgängen rätselt, die mit dem Handel von Kokain zu tun haben, stolpert der «Discountdetektiv» und Literaturkritiker Fischer per dummem Zufall und persönlicher Verwicklung mitten in den Fall. Die beiden bilden ein ungleiches Paar, sind und bleiben einander aber trotz der dummen Zufälle gewogen.

Beim vorliegenden Fall scheint es sich auf den ersten Blick bloss um eine Angelegenheit unter kleinen Ganoven zu handeln. Ein Toter ist indes ein Toter und verlangt genaue Abklärungen, die bald Stufe um Stufe die Gesellschaftsleiter hinaufführen. Koks ist auch in der Basler Elite beliebt. Während sich die Ganoven in Muckibuden fit halten, hält diese mit gepuderter Nase den Anforderungen der Zeit stand.

Es dauert allerdings ein Weilchen, bis in Uferschnee so richtig in Fahrt kommt. Es geht dabei das rechte Rheinufer zwischen Dreirosenbrücke und Riehen Süd rauf und runter, beleuchtet nur von schwachen Laternen. Wolfgang Bortlik kennt die Gegend aus dem Effeff, und er weiss dazu etwelche Anekdoten zu berichten. Seine Erzählung fächert er auf zwei parallel geführte Stränge auf: der eine verfolgt die Bemühungen von Gsöllpointner und Fischer, wobei hier schnell auch private Angelegenheiten mit hineinspielen, die eigentliche Polizeiarbeit wird – im Unterschied zu Roger Grafs Romans – nur ganz am Rande festgehalten. Nebst Basel verbindet die beiden «fast Freunde» vor allem der Fussball, der in allen Lagen zur Sprache kommt, die Literatur dagegen markiert einen Graben zwischen ihnen. Im Gegensatz zum Bücherfreak Fischer graust es Gsöllpointner davor, dass er auf dringlichen Wunsch seiner Gemahlin der Verleihung des Literaturpreises beiwohnen sollte. Gerade bei diesem Anlass beweisen die beiden Protagonisten aber, wie gut eingespeilt sie im Grunde agieren.

Der zweite Erzählstrang folgt der Spur des Kokains in einem anonymisierten Umfeld, in dem nur von Mister X oder Mister Z die Rede ist. Deshalb bleibt der Zusammenhang zwischen den beiden Erzählsträngen lange Zeit im Dunkeln, erst nach und nach wird er erahn- und schliesslich erkennbar.

Wie bei Roger Graf ist das Feld der ins Verbrechen involvierten Personen relativ übersichtlich, aber es geht Wolfgang Bortlik spürbar um mehr als den reinen Plot. Sein Roman mäandert zwischen Koksaffäre, Basler Geschichten und dem Literaturbetrieb, dem der Autor mit sichtlicher Ironie begegnet. Das ist oft witzig und schmissig erzählt. Allerdings verhebt sich der Autor immer wieder gerne zu sprachlichen Innovationen, die zwar witzig, zugleich aber ungelenk klingen. Was ist eine «gegangene Frau», was heisst die Augenbrauen «entsträuben», und wie hoch belaufen sich «Restunsummen»? Derlei hätte er nicht nötig, wo ihm kurzum die flotte Formulierung ohne Umstände am besten gelingt.
Vorab der aus Bayern gebürtige Kommissär Gsöllpointner zeichnet sich dabei als derber Kauz aus, der die ortsübliche politische Korrektheit lustvoll verletzt. Mit Hilfe seines Zufallsgehilfen gelingt ihm am Ende die Klärung des Falls und somit die Rettung der Ordnung – bis zum nächsten Mal.

(«Und täglich ein neuer Toter». Fokus vom 20.05.2019)