Ankunft der Seifenblasen Gedichte
Ob lakonisch oder balladesk, als Momentaufnahme oder Vorstellung, es ist immer der Mensch, der in Markus Bundis Gedichten im Zentrum steht, wie er danach strebt, sein Leben in den Griff zu bekommen, derweil es doch immer das Leben ist, das den Menschen im Griff hat; ihn Karussell fahren und in Worte fassen lässt, was sich in der Zeit als Seifenblasen zu formen vermag – sei es im Augenblick auf der Achterbahn, oder sei es für ein Leben im Marionettentheater. Als gäbe es Zuckerwatte und Lebkuchenherz (fast) umsonst …
(Buchpräsentation Waldgut Verlag)
Decharge
Der Herausgeber der REIHE, Markus Bundi, macht mit Ankunft der Seifenblasen im Waldgut Verlag sein eigenes lyrisches Halbdutzend voll. Der Band umfasst zwei Gedichtzyklen, die von zwei lyrischen Prosatexten begleitet werden. Zur Form fällt gleich im Inhaltsverzeichnis die (fast) konsequente Verknappung auf ein einziges titelgebendes Wort auf. In den gut vierzig Gedichten hält Markus Bundi dann auch Wort. Seine «Seifenblasen auf stiller Fahrt», bilden «unvoreingenommen» und in aller Kürze ein schillerndes kleines Panoptikum von alltäglichen Erfahrungen ab.
Zumindest der Möglichkeit nach erteilt sich der Autor dabei selbst «Decharge»:
Einmal angenommen
das Helfen beim Tragen
der Kreuze erleichtere
den aufrechten Gang.
Dem ist leicht zu entnehmen, dass es so einfach wohl nicht ist. Dennoch zeigt sich der Autor durchaus im Reinen mit seinen Gedanken, selbst wo sie opponieren. «Alles gehört zuerst / auf den Kopf gestellt» – das hilft auch im Leben. In dem Sinn erforschen diese Gedichte nicht das ungreifbar Abgründige, sondern gehen wachsam durch den Alltag und heben in kurzen Versen und mit wenig Worten auf, was festzuhalten ist. Dabei behält Markus Bundi für sich (und seine Leser) durchaus auch die Hoffnung aufrecht, wenn er «Ausschau» hält: «Was mich beschäftigt / ist noch immer nicht / zugestiegen».
Seine Lyrik behält mit ihrer knappen Setzung etwas Aphoristisches, er plädiert darin für Gelassenheit und Geduld.
Unsere Umlaufbahnen
haben sich nicht verändert.Uneinigkeit herrscht einzig
über die Art der Messung.
«Ich habe etwas im Kopf», beginnt das zweite Prosakapitel, in dem der Autor das lyrische Thema in längeren Satzperioden variiert. Im Vergleich damit überzeugen die Verse mit ihrer Prägnanz und Kürze indes stärker, auch wenn sie das Kreiselnde der Prosa nicht mit abzubilden vermögen.
Beat Mazenauer in «Formen und Variationen. Neue Schweizer Lyrik», Fokus vom 12.02.2019)