Ein Alphabet vom Schreiben und Unterwegssein

Schreiben ist eine einsame Tätigkeit. Den Weg von der Idee zum Text gehen Autorinnen und Autoren meistens alleine. Umso mehr fällt es auf, wenn zwei Schreibende einander unterwegs begleiten, sich gegenseitig anregen und über die Grenzen des Noch-nicht-Sagbaren hinweghelfen auf der Suche nach einem gemeinsamen Text. Eine solche Weggemeinschaft sind über Monate hinweg die Autorin Ulrike Ulrich und der Autor Axmed Cabdullahi eingegangen. Aus je eigener, unterschiedlicher Erfahrung sind sie beide mit dem Unterwegssein vertraut. Ulrike Ulrich hat sich seit ihrem Prosadebüt «fern bleiben» (2010) in der Literaturszene mit Romanen und Erzählungen ebenso wie mit ihrem literarisch-gesellschaftlichen Engagement einen Namen gemacht. In Deutschland geboren, lebt sie seit vielen Jahren in der Schweiz. Das Unterwegssein ist ein zentrales Thema in ihren Büchern. Erst vor zwei Jahren ist Axmed Cabdullahi in die Schweiz gekommen, auf der Flucht vor dem somalischen Bürgerkrieg hat er hier, fürs Erste, Aufnahme gefunden. Gegen die Unsicherheit seines Daseins schreibt er Geschichten. Zusammen haben Ulrike Ulrich und Axmed Cabdullahi ein Alphabet über das Schreiben und das Unterwegssein, über das Unterwegssein im Schreiben, über das Schreiben unterwegs verfasst, poetisch, aufrichtig und immer wieder auch mit einem ganz eigenen (gemeinsamen) Humor. Begegnet sind sie sich im Jungen Literaturlabor (JULL) in Zürich, wo sich Schreibende und Jugendliche zur Arbeit an Texten und zum Ideenaustausch treffen. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass aus einer solchen Begegnung ein Buch wie dieses entsteht – umso schöner ist es zu sehen und zu lesen, wie hier zwanglos zwei unterschiedliche Lebenswege zu einem eindrücklichen literarischen Dialog gefunden haben.

(Präsentation essais agités)