Die Fliegengöttin
Novelle

Dass sie in ihrem gemeinsamen Haus sterben wollen, haben sie sich versprochen. Hier sind ihre Kinder aufgewachsen, hier hat ihr Leben stattgefunden. Immer wollten sie füreinander da sein. Bis zuletzt. Sich gegenseitig erlösen, wenn einer von ihnen nicht mehr weiter kann. Seit über fünfzig Jahren sind die Irin Eilis und der Holländer Willem verheiratet. Zwei Jahre sind seit ihrer Alzheimer-Diagnose vergangen. Aufopferungsvoll kümmert er sich um seine geliebte Frau und kann doch nur zusehen, wie sie immer weiter verschwindet, jeden Tag ein bisschen mehr. Und auch Willem macht das Alter zu schaffen. Die Zeit verschwimmt in seinem Kopf, da hilft auch der Abreißkalender in der Küche nicht, den ihm sein Jugendfreund Fonsy empfohlen hat. Willem ist am Ende seiner Zuversicht, seiner Kraft, und er denkt an das Versprechen, das Eilis und er sich gegeben haben …
Vor dem Hintergrund der rauen Küsten Irlands entwirft Hansjörg Schertenleib das Porträt einer großen geglückten Liebe, erzählt ehrlich und anrührend von Fürsorge und Zärtlichkeit, Überforderung und Hilflosigkeit, Erinnern und Vergessen.

(Buchpräsentation Kampa Verlag)

Kurzkritik

Ein altes Ehepaar lebt im katholischen Irland, am Meer. Eilis ist an Alzheimer erkrankt und ihr Mann Willem kümmert sich um sie. Dabei überfordert ihn nicht nur die Pflege, sondern auch das Versprechen, das er seiner Frau einst gegeben hat. Nachdem sie Michael Hanekes Film Amour gesehen hatten, gelobten die beiden, den anderen im Fall einer Krankheit zu pflegen und notfalls zu erlösen. Der Tod der geliebten Tochter, die schwierige Beziehung zu den anderen beiden Kindern und ein Ehebruch mit der Frau seines Freundes lasten außerdem auf Willem, was die dichte Novelle beinahe etwas überfrachtet.

(Ruth Gantert in Viceversa 13, 2019)