Davos ils mugrins
Roman

In “Davos ils mugrins” (Hinter den Hauskanten) schildert Leontina Lergier-Caviezel eine Tragödie, die in einem Bergdorf geschah und die ganze Gemeinschaft erschütterte. Auch Jahre später sind viele Wunden noch nicht geheilt… Die junge Andrea ‘vom Unterland’ heiratet ins Dorf, lebt sich ein und möchte mehr ‘über die Sache von Crestas’ erfahren, was nicht einfach ist, denn die betreffende Person ist seit dem Unglück stumm, und Andreas Familie scheint ebenfalls mehr als erwartet darin verwickelt zu sein.
Dieser Roman ist spannend geschrieben, führt den Leser gut ins Dorfleben ein und lässt uns in die Figuren einfühlen.

(Buchpräsentation Chasa Editura Rumantscha)

Kurzkritik

Mittels einer Bündner Familientragödie Ende der 1960er-Jahre zeichnet die gebürtige Vrinerin Leontina Lergier-Caviezel das Bild einer Gesellschaft, die unfähig ist, die soziale Zensur zu durchbrechen. Die junge Mutter Urschla verunfallt auf seltsame Weise. Anderntags findet man ihren Mann Gionantoni in seinem Maiensäß erhängt. Urschla erholt sich körperlich, bleibt aber ein Leben lang die Stumme, die «metta», die etwas abseits der Gemeinschaft lebt. Doch sie ist nicht die einzige Schweigende im Dorf; es gibt diejenigen, die nicht sprechen können, und diejenigen, die nicht sprechen wollen. Gerade dieses Schweigen erzeugt und steigert die Spannung von Davos ils mugrins (Hinter dem «Gwätt», den Eckverkämmungen der Hausbalken), wo heimlich geschwätzt und schließlich doch geschwiegen wird. Bis sich eines Tages Andrea einmischt. Die junge Unterländerin wird durch Heirat Nachbarin der Metta und beginnt, sich für deren Schicksal zu interessieren. Aus den Erinnerungsfetzen verschiedener Figuren rekonstruiert sie das tragische Geheimnis. So entsteht eine Kriminalgeschichte, in der es um Gemeinschaft und Ausgrenzung, um Generationenfragen, Verantwortung, Schuld, Eifersucht und Liebe geht. Verschiedene Zeitebenen und Perspektiven tragen zum Spannungsaufbau des melancholischen, gepflegt erzählten Romans bei. Das dritte Buch von Lergier-Caviezel packt uns ebenso, wie Andrea das mysteriöse Unglück der Metta packt.

(Valeria Badilatti in Viceversa 13, 2019)