Il scutinem dallas olmas
En in chagliom in toc sut la via veglia e mo malamain cuvrì vi giascha in cadaver uman sternì! Ins ha spert constatà ch’i sa tracta dad ina vaiva da 37 onns en il quart u tschintgavel mais da gravidanza.
Rico Tambornino descriva in schabetg commovent da l’onn 1847, cun dialogs e persunas per part inventadas, sa tegn dentant uschè lunsch sco pussaivel vid ils protocols da dretgira ed artitgels publitgads en las gasettas da lezs temps.
La segunda part dal cudesch cuntegn raquints e regurdientschas ord l’uffanza da l’autur en la Casa Pajarola a Trun. Ina chasa da trais auzadas, in surchombras misterius e stgirs e profunds tschalers, dasperas in clavà cun uigls e pastrign; ina chasa plain vita, cun blers augs ed anc pli bleras ondas.
Im Gestrüpp etwas unterhalb der alten Strasse liegt grob bedeckt eine Leiche! Schnell wurde festgestellt, dass es sich um eine 37-jährige Witwe im 4. oder 5. Schwangerschaftsmonat handelt.
Rico Tambornino beschreibt einen bewegenden Vorfall aus dem Jahre 1847, teilweise mit erfundenen Dialogen und Personen, hält sich aber soweit wie möglich an den Gerichtsprotokollen und den damaligen Zeitungsartikeln.
Der zweite Teil des Buches enthält Erzählungen und Erinnerungen aus der Kindheit des Autors in Trun, in der ‘Casa Pajarola’: Ein Haus mit drei Stockwerken, einem geheimnisvollen Estrich und dunkle tiefe Keller, daneben Stall mit Scheune und Waschküche; ein Haus voller Leben, mit vielen Onkeln und noch mehr Tanten.
(Buchpräsentation Chasa Editura Rumantscha)
Das Buch beginnt mit der längeren historischen Erzählung «El zuppau dalla riva» (Verborgen am Fluss), die in gut recherchierter Weise die Geschichte der letzten Hinrichtung im Kanton Graubünden (1847) aufrollt: Giachen Condrau Spescha hatte damals in Trun (Bündner Oberland) die schwangere Witwe Catrina grausam ermordet und wurde zum Tode verurteilt.
Der ebenfalls aus Trun stammende Autor verbindet die Erzählung mit Fiktion, die er allerdings auf Gerichtsprotokolle und Zeitungsartikel stützt. Ein anschließender Kommentar von Martín Camenisch verdeutlicht fachkundig den historischen Kontext des Falles.
Im zweiten Teil des Buches erzählt Tambornino verschiedene Episoden aus seiner Kindheit. Mit liebvollem Blick für Details und einer guten Portion Humor lässt er die Stimmung in der damaligen Truner Casa Pajarola aufleben. Der Autor erinnert sich unprätentiös und unverstellt, wie er als Dorfjunge mit seinen Tanten und Onkeln – teilweise sogar mit einer Familie italienischer Gastarbeiter – unter einem Dach zusammenlebte. Im Gegensatz zum bedrückenden ersten Teil des Buches ist der zweite Teil voller Witz und Lebensfreude.
(Valeria Badilatti in Viceversa 13, 2019)