Ultim'ura da la not / Letzte Stunde der Nacht Poesias / Gedichte
«Es sind Schnittstellen, welche die junge Dichterin faszinieren: der Schleier, der von der Nacht in den Tag führt; die Luft, welche Erde und Himmel trennt; die Länder des vertrauten und fremden Kontinents. Oder auch das Du, zwischen dem Ich und dem eigenen Ich. Fremdes und Verwandtes. Nähe und Ferne in sich selbst und um sich herum. In den Gedichten werden die Grenzen gesucht und ausgelotet, werden die Wurzeln ertastet, im Hoffen und Sehnen und auch im Schmerz. Wir lesen diese Gedichte wie einen Weg des Forschens und des Erkennens. Das lyrische Ich auf der Suche eines verborgenen Teils seiner selbst. Das Erkennen des Fremden in sich und der Heimat. Gianna Olinda Cadonau nimmt uns mit in die Fremde, auf die Suche nach ihren Wurzeln und ihren Ahnen. Und wir kehren mit ihr zurück zu den Wolken und Feen ihrer nun gefestigten und neu gewählten Heimat.» (aus dem Nachwort von Mevina Puorger)
Mit ihrem ersten Lyrikband präsentiert die Unterengadinerin indischen Ursprungs eine Vielfalt an Gedichten, die unter anderem vom Wind, von den Feen, von den Sternen und vom Muttersein erzählen. Im zweisprachigen Buch, deutsch-vallader, macht sich ein lyrisches Ich auf die Suche nach seinen Wurzeln. So beispielsweise «Mein Name ist ein Land»: «Ich bin die eine und die andere.» / «Eu sun quista e l’otra.» Diese Suche findet oftmals im Dialog mit einem Du statt. Ein anderes Leitmotiv verrät der Titel des Lyrikbandes und betrifft Zwischenräume, fließende Grenzen: «In der letzten Stunde der Nacht/ wohnt die Ewigkeit» / «Ill’ultim’ura da la not / abita l’eternità»; es ist die Stunde der Tiefe, der Träume und der Poesie. Begleitet wird die Gedichtsammlung von einem erläuternden Nachwort der Herausgeberin Mevina Puorger. (Valeria Martina Badilatti in Viceversa 11, 2017)