Nächster Halt Brig
Roman

Joseph Incardona
Übersetzung von: Daniel Oesch

«Als der Zug aus dem Tunnel ausgespuckt wurde, hörten wir durch den knackenden Lautsprecher die Stimme des Schaffners, der einen dieser deutschen Sätze aussprach, die viel mehr besagen als ihr wörtlicher Sinn, Sätze aus der kleinen, persönlichen Geschichte der Einwanderer, einen jener Sätze, die einen endgültigen Schlussstrich unter die Ferien setzten: Wir treffen in Brig ein

Nächster Halt: Brig erzählt von den Sorgen und Nöten des zwölfjährigen André Pastrella der, tausendmal entwurzelt durch ständige Schul- und Wohnungswechsel, sich weder als Schweizer noch als Italiener fühlt. Mit seinen Eltern lebt er in einer Sozialwohnung in der französischen Schweiz. Von seinem Vater wird er nicht gerade zimperlich behandelt, und die Jugendbande, die ihn unaufhörlich bedroht, macht den Gang zur Schule zur Tortur. Einzig die Sommerferien in Sizilien sind ein Lichtblick, doch die Rückkehr in den Norden ist unabwendbar und die Realität des Alltags erbarmungslos.
Mit Humor und großem Einfühlungsvermögen gewährt Joseph Incardona uns durch sein Alter Ego André Pastrella einen persönlichen Einblick in die Welt eines Heranwachsenden der Siebzigerjahre. Der temporeiche Roman ist aber auch die Chronik einer zerrissenen Seele. Heimatlosigkeit, Ausgrenzung, Existenzangst und Entwurzelung – diese hoch aktuellen Themen ziehen die Lesenden in ihren Bann und steuern auf ihr fulminantes Ende zu.

(Buchpräsentation Pearlbooksedition, 2017)