Da fiel ich in deine Gebäude Gedichte
Ihr erstes Buch, der Gedichtband Dies ist ein Abstandszimmer im Freien, machte Vera Schindler-Wunderlich auf einen Schlag bekannt. Vom Bundesamt für Kultur wurde sie dafür 2014 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Nun legt die Autorin ihren zweiten Lyrikband vor. Sie dürfte damit bestätigen, was ihr Debüt schon erkennen ließ: dass sie ein ungemein feines Gehör und Gespür für die Klänge und Abgründe der Sprache hat und eine aufmerksame, sensible Beobachterin der Zeitläufte ist. Sie hat «das Auge einer Dichterin, das Abstandsauge» (Lioba Happel), kommentiert aber nicht vom Schreibtisch aus, sondern reflektiert immer auch, welche Rolle sie selbst im alltäglichen Geschehen mit seinen Schönheiten, Schrecken und Ambivalenzen spielt: als Mensch, als Geschöpf, als Schreibende.
(Buchpräsentation pudelundpinscher)
Wie liesse sich über Politisches, Amtliches, Öffentliches dichten? Vera Schindler-Wunderlich gibt darauf Antwort auf eigenwillige Weise mit zuweilen verblüffenden Bildern. In ihren rund 50 Gedichten fallen zumindest dem Schein nach poesieferne Begriffe ins Auge: «Staatsrechnung», «Personenrecht», «Wechselkurs», «Nicht wahr, Geld» lauten überraschende Überschriften. Ein leichtes Flimmern und Flirren kennzeichnet diese Lyrik. Sie ist meist virtuos und brillant komponiert, nicht immer ganz und gar auf Anhieb ergründbar – doch ohne Ausnahme schillernd und genuin lyrisch. (Beat Mazenauer in viceversaliteratur.ch und Viceversa 11, 2017)