Wunderbare Jahre Als wir noch die Welt bereisten
1. Januar 2016. Sibylle Berg ist in Tel Aviv, Familienbesuch, und draußen gehen die Böller los. Moment mal, Böller zu Neujahr in Israel? Schreiende Menschen kommen die Straße gelaufen. Sie ducken sich, flüchten in Hauseingänge. Was sich unter dem Balkon abspielt, ist kein Fest. Es ist ein Anschlag. Sibylle Berg ist viel auf Reisen gewesen, jetzt ist der Spaß vorbei. Wollen wir wirklich in einer Welt herumfahren, wo der Strand zur Kampfzone wird, der Konzertsaal zum Bunker, wo neben dem Café die Bomben fliegen? Sibylle Berg erzählt, wie die Welt war, als wir noch Fernweh hatten: schön, abenteuerlich, romantisch. Und sagt, wie sie heute, im 21. Jahrhundert, ist: zum Weglaufen. Aber wohin?
(Buchpräsentation Hanser)
Für eine Frau, die das Reisen hasst, ist sie ganz schön herumgekommen: in Asien, Indien, Nord- und Südamerika, in Israel, wo sie zeitweise lebt, im Kosovo, in England, Frankreich, Italien und sogar im Wallis, wo es, wie sie seither denkt, ständig regnet. Ihre Reisen waren beschwerlich und gefährlich, in Krisengebiete, in tiefes Elend – andere Male, fast schlimmer noch, erfuhr sie die zermürbende Langeweile einer Kreuzfahrt oder des roten Teppichs in Cannes. Den gesammelten Reportagen angefügte «P.S.» ergänzen jeweils Horrorzahlen, wie die Anzahl Terroranschläge, die sich in einem der Länder ereignet haben oder noch erwartet werden. Sibylle Berg erzählt bissig, tieftraurig und ab und zu witzig – und überschreitet nebst Landesgrenzen mit Vorliebe auch jene des guten Geschmacks. (Ruth Gantert in Viceversa Literatur 11, 2017)