Ungewisses Manifest 1 Mit Walter Benjamin, versehrter Träumer in der Landschaft
Verstreute Erinnerungen, das Tosen des wütenden Meeres, Samuel Beckett, Bram van Velde, die Rückkehr der Geister, zwei junge Faschisten Ende der 80er Jahre, und dann Walter Benjamin, versehrter Träumer in der Landschaft, der sich Fragen stellt über die Zukunft des Romans, über die Geschichte, über das Aufkommen des Nationalsozialismus und der Massenkultur. Nach einem ersten Aufenthalt auf Ibiza, 1932, flüchtet er 1933 aus Berlin und kehrt auf die Insel zurück. Es ist der Moment des Zusammenbruchs, des definitiven Exils, der Armut und der Einsamkeit.
Antiroman, Betrachtungen zum Roman, fragmentarischer Roman, ist dieser erste Band des Ungewissen Manifests geschrieben und gezeichnet wie eine Reise in die Schönheit, die Wut, die Dummheit, die Illusionen und die Ernüchterung.
(Buchpräsentation Noir sur Blanc / Edition Clandestin)
Die mal filigranen, mal wuchtig expressiven Tuschzeichnungen fallen sogleich ins Auge. Frédéric Pajaks Ungewisses Manifest 1 ist ein eindrucksvolles Bilderbuch, zugleich ist es eine autobiographische Erzählung und ein Essay über die 1930er Jahre. Es entzieht sich den herkömmlichen Zuschreibungen und schafft sein eigenes Genre. [...] Pajak hält das Verhältnis von Bild und Text raffiniert offen. Mal illustriert er das Geschriebene. Mal ergänzen oder kontrastieren sich die Ebenen oder laufen parallel neben einander her, um gegenseitig ein Angebot zur Diskussion zu machen. Ungewisses Manifest 1 ist weder Roman noch Essay noch Graphic Novel - vielmehr eine dunkle poetische Mischung von allem zusammen. (Beat Mazenauer, Feuilletondienst, 18.04.2016)
Ein Manifest des Zauderns und Zurückschauens. Ohne Gewissheit, dass man noch irgendetwas festhalten, dem Sturm des Vergessens entreissen kann. Gegen dieses Verschwinden entwirft Pajak mit seinen Kritzeleien sein Buch als Zeichen- und Schreibblock jenes Unbewussten, das jeder in sich trägt und das sich beim Schweifen der Augen über Tuschebilder und gestanzte, tanzende Buchstaben, wie Sigmund Freud einmal sagte, verwandelt in einen Wunderblock. (Stefan Zweifel, NZZ, 03.05.2016)
Wie das alles – und so vieles mehr, das in dem Buch noch erscheint – zusammenhängt? Den einen, grossen Zusammenhang gibt es nicht, aber viele mögliche Verbindungen von Gedanke zu Gedanke und von Bild zu Bild und von Bild zu Gedanke und von Gedanke zu Bild. Dieses Buch entsteht in den Abschweifungen der Lesenden. Es ist ja ein Manifest für das Ungewisse. (Felix Schneider, SRF, 21.05.2016)
Es ist der Traum von einem Buch, «das Wörter und Bilder vereint. Abenteuerfolgen, zusammengetragene Erinnerungen, Sprüche, Gespenster, vergessene Helden, das tobende Meer.» Als 40-Jähriger veröffentlichte er das erste seiner Bücher. Ohne Resonanz. Weitere folgten, sie verkauften sich, so Pajak, wie durch ein Wunder und brachten dem Autor, Zeichner und Herausgeber einer Graphic-Novel-Reihe Preise ein. Vor allem sorgte der am Genfersee und in Paris lebende Künstler mit den mittlerweile vier Bänden seines Ungewissen Manifestes für Furore, dessen erster Band nun sorgfältig ediert und von Ruth Gantert vorzüglich übersetzt in der kleinen Edition Clandestin auf Deutsch vorliegt. (Stefan Gmünder, 07.07.2016, Der Standart)