Mann ohne Pflichten Roman
Was tut ein Hund, wenn er keinen Hunger hat? – Solche Fragen stellt sich Peter Meander. Denn der «Mann ohne Pflichten» hat Zeit. Meander, Mitte fünfzig, hat seine Stelle als Kurator an den Nagel gehängt und will herausfinden, was den Menschen ausmacht. Seiner eigenen Unzulänglichkeiten wenigstens zeitweise bewusst, versucht einer das einzuholen, was nicht einzuholen ist: das Leben. Dem tiefen Ernst steht ein Protagonist gegenüber, der wahlweise Luftgitarre spielt oder aus Versehen einem Kaktus das Genick bricht. Und da wären noch der kleine Robert, der einmal die Woche zum Mittagessen kommt, seine Stieftochter Anja, der verstorbene Onkel Felix, der nach wie vor zu ihm spricht, und Nachbar Kellermann, dessen Verschwinden Peter keine Ruhe lässt – und nicht zu vergessen die Galeristin Carmen. Dagegen einen Rest Selbstbestimmung zu behaupten, weiß Meander, das ist die große Kunst.
(Buchpräsentation Klöpfer & Meyer)
Peter Meander nimmt nicht «Urlaub von seinem Leben» wie Ulrich, Musils Mann ohne Eigenschaften, er kündigt bloss seine Stelle als Kurator. Statt den bildenden Künsten widmet er sich nun der Lebenskunst. «Was du dir vormachst, machst du dir nach», lautet seine zweideutige Devise. Was heisst das für einen, der wissen will, was den Menschen ausmacht? Für Meander sind es die Künste, die von der Vorahnung leben. Sie werden zu Kitsch, wenn wir diese einholen. Gilt das auch von der Lebenskunst? Der Roman bricht dort ab, wo dies überprüfbar würde: in der Begegnung Meanders mit einer Frau. Der kleine Roman ist eine geistreiche Spielanlage, das Spiel müssen wir Lesenden selbst spielen. (Daniel Rothenbühler)