Steigende Pegel
«Waterway across the alps» lautete die Schlagzeile in der New York Times vor knapp mehr als hundert Jahren. In den 1860er Jahren wurde Pietro Caminada in Milano geboren. Er starb 1923 und mit ihm ein Teil jener Welt, die wie im Rausch bisher Undenkbares verwirklicht: die Verlegung des Transatlantischen Kabels, die Entwicklung der Fliegerei, der Bau des Eisenbahntunnels durch den Gotthard. Eine der verrücktesten Unternehmungen war der Bau des Transalpinen Kanals, der die Schiffbarmachung der Alpen von Genua durch den Splügen nach Thusis und weiter bis nach Basel zum Ziel hatte.
Anita Siegfrieds Roman Steigende Pegel erzählt das Leben eines Mannes, der nach Südamerika auswanderte, sein Glück zu suchen, dessen architektonische Visionen ihn nach Rio de Janeiro brachten, wo er eine Straßenbahn baute und die Hafenanlage neu gestaltete, erste Pläne für den Bau von Brasilia entwarf. Mit Frau und Kindern zog es ihn aber bald zurück nach Rom, wo er mit seinem Großprojekt die Welt in Staunen versetzte: Genie und Wahnsinn. Anita Siegfried hat mit Steigende Pegel einen spannenden und vielschichtig gebauten Roman geschrieben, der auch eine glühende Hommage an Pietro Caminada, den Visionär und genialen Ingenieur, ist.
(Buchpräsentation Bilgerverlag)
Anfang des 20. Jahrhunderts tüftelt Pietro Caminada (1862–1963), italienischer Ingenieur mit Schweizer Wurzeln, in Brasilien an einem System, mit dem Frachtschiffe Berge überwinden können. Es handelt sich um doppelt geneigte Röhrenschleusen, die das Schiff steigen und gleichzeitig vorwärts fahren lassen, während auf umgekehrtem Weg ein Schiff absinkt. Er kehrt nach Rom zurück für das Projekt «via d’acqua transalpina», bei dem «Natur, Technik und Mensch» zusammenwirken sollen – und das natürlich am letzten der drei Faktoren scheitert. Gut dokumentiert erzählt Anita Siegfried von der Zeit des aufkommenden und triumphierenden Faschismus in Italien. (Ruth Gantert in Viceversa Literatur 11, 2017)