Kroetzer

Eigenwillig und gewiss auch misanthropisch veranlagt, manchmal euphorisch, dann wieder verkatert. Das ist Kroetzer. Das ist Ulrich Gerbers zutiefst menschliche Figur, bestimmt und voller Selbstzweifel zugleich.

Hochmut
Beim Betrachten seines Arbeitstisches wurde Kroetzer klar, hier kann nichts Gutes entstehen. Alles lag herum, nicht einmal die Unordnung hatte eine Gleichmäßigkeit, die einem sonst das Chaos erträglich machte. Nur der Rasierspiegel stand aufrecht, um Kroetzer ungeschminkt sein Gesicht entgegenzuhalten. Das Portemonnaie lag offen da, als wolle er gleich bezahlen. Alte Papiere, die er längst hätte wegwerfen sollen, bedrängten die letzte leere Fläche des Tisches. Elend, elend: Wenn er sich einige Stunden menschlich benommen hat und die Ordnung wieder hergestellt ist, geht er schon hochmütig ins Bett.

(Buchpräsentation Wolfbach Verlag)

Kurzkritik

Wenn schwarze Gedanken einen nachts nicht schlafen lassen, entstehen Texte wie die von Ulrich Gerber. Sie lesen sich wie ein Ventil, durch das der Überdruck an Überdruss, Ängsten und existentieller Verzweiflung gemildert wird. In kurzen, pointierten Episoden philosophiert seine Figur namens Kroetzer mit beissendem Sarkasmus über das verfliessende Leben, die schwindenden Hoffnungen und die Menschen, die einem nur mit verschlossener Miene begegnen. In diesen finsteren Gedanken à la Cioran steckt dennoch ein Funken Lebensmut und ein Witz, die Gerbers Geschichten geniessbar machen. (Beat Mazenauer)