Nordlicht
Roman

Kurzkritik

Nach einer längeren Pause, nach ihrem letzten Buch Das Umstellformat (2002), legt Melitta Breznik einen neuen Roman vor, der durch eine fein gewobene Sprache besticht. Die 1961 in der Steiermark geborene Autorin, die als Ärztin im Kanton Graubünden lebt und arbeitet, tastet sich in Nordlicht an die Befindlichkeit einer Frau heran, die an Überarbeitung leidet und von Sinnestäuschungen heimgesucht wird. Eines Tages lässt Anna alles hinter sich und fährt nach Norwegen, wo sie auf das Nordlicht warten will – und die Tagebücher ihres Vaters lesen, der im Krieg auf den Lofoten als Wehrmachtssoldat stationiert war. Die Lebensgeschichte einer zweiten Frau mischt sich mit Annas familiärer Spurensuche, und langsam entsteht zwischen den beiden Frauen Nähe und Freundschaft. Wie Melitta Breznik die Verbindungen zwischen ähnlichen und doch so unterschiedlichen Schicksalen andeuten und zugleich in der Schwebe lassen kann, sich auf subtile Weise an die Auswirkungen eines Familiengeheimnisses annähert und Licht in verborgene Seelenwinkel bringt, macht sie mit ihrer Prosa zu einer ganz besonderen Stimme in der Schweizer Literaturlandschaft. (Bettina Spoerri)