Geheimbrief
Gedichte

Kurzkritik

Geheimbrief ist der erste Band einer Trilogie, zu der Das späte Erkennen der Zeichen (2010) und Nachtschicht gehören. Ohne in der Form schwerer zu sein als die früheren Gedichte der Autorin, handeln die 62 Gedichte auf erschütternde Weise von den letzten Dingen. Aber nochmals werden da nicht Sätze und Wörter zu Versen und Strophen zurechtgerückt, sondern verschafft das Denken, Fühlen, Träumen und Erinnern selbst sich lyrischen Ausdruck. Und nach wie vor funktioniert jene geheimnisvolle, den Schlaf und den Traum als Durchgangsstadien nutzende Metamorphose, die Erika Burkart «Korrektur» nennt: «Was im Vorschlummer auftaucht, / eine Zeile ein Einwort-Gedicht, / ich nehme es mit in den Schlaf. / Bewahrt im Vergessen, / kehrt es zurück, / verwandelt erkennbar es selbst / in einem anderen Licht.» Viele Verse bannen nur mühsam die Todesangst, und wenn etwas Trost spendet, sind es wie in den früheren Gedichten die Bäume, die Vögel und das Mysterium des alten Hauses, in dem die Dichterin seit ihrer Kindheit lebt. (Charles Linsmayer)