Das späte Erkennen der Zeichen
Kurz vor ihrem Tod am 14. April 2010 hat die 1922 geborene Dichterin Erika Burkart ihrer schweren Krankheit nochmals eine Reihe von Gedichten abgerungen, die zum Bewegendsten und Geglücktesten ihres umfangreichen lyrischen Werks gehören. Wie seit fünfzig Jahren liefert dabei die Hügel-Landschaft in der Umgebung des Kapf, ihres Elternhauses im aargauischen Aristau, den Schauplatz. Und angesichts der Symbol- und Bildhaftigkeit dieser von ihr immer wieder neu besungenen Landschaft ist ihr Dichten nochmals ein «spätes Erkennen der Zeichen», eine «Rückverwandlung des Verborgenen und Vergessenen» in die tiefgründige Wahrheit des Gedichts. Alter, Krankheit und Tod sind die wiederkehrenden Themen dieser späten Lyrik, aber noch immer scheint auch Trotziges und Hoffnungsvolles auf. Eines der schönsten Gedichte des Bandes, «Die Botschaft der Flocke», lässt eine Flocke durch den besonnten Pfingstmorgen wehen, die sich bei näherem Zusehen als ein Samenkorn entpuppt, das jenseits des Todes neue Blüte und neues Leben verheisst. (Charles Linsmayer)