Aus dem Staub Gedichte
«Aus dem Staub zeigt Klaus Merz einmal mehr als Meister der Verdichtung. Aus kurzen, sparsam gesetzten Versen entwickelt er ganze Lebensgeschichten, zeichnet mit bloßen Andeutungen Bilder voller Farben und Licht. Ob Klaus Merz über alltägliche Szenen schreibt oder in seine Erinnerungen eintaucht, ob er fremden Orten und Menschen begegnet oder vertrauten – stets gelingt es ihm, den Blick auf das Wesentliche zu richten und ihm seinen ganz eigenen Tonfall zu verleihen. Unter der Oberfläche seiner lakonischen Poesie blitzen Witz und feine Ironie auf, hinter dem ruhigen Vordergrund seiner Gedichte verbergen sich Momente voller Überraschung und Verstörung. Und genau aus dieser Ruhe und Einfachheit seiner Lyrik „entwickelt Klaus Merz seine Stärke, indem er sie wie ein Schmetterlingsnetz über Augenblicke legt, auf dass sie über die Länge weniger Sätze verweilen“» (Sibylle Birrer, Bieler Tagblatt).
«Der Widerstand / gegen die Ausführlichkeit / wächst weiter», heisst es in einem dieser Gedichte von Klaus Merz, und das klingt wie das Programm dieses Bandes – und überhaupt des Schreibens dieses Meisters konzentrierter Formen. In dem Gedichtband beweist Klaus Merz einmal mehr, wie er mit wenigen Worten eine Stimmung evozieren, eine ganze Geschichte erzählen kann. Einmal ist das ein Pullover und das dazugehörige, «erloschne» Gesicht, ein Besuch in der Pinakothek, die Eintönigkeit des Lebens einer Witwe, die sonntags ihrem Hang zum Kitsch nachgibt, die Erinnerung an die erzählende Grossmutter, mit der man in «Wunderschuhen» «über alle Berge» davon zieht, eine zarte Liebeserklärung an «S.», deren Stimme wiedererkannt wird, «noch bevor sie / mich ruft» oder das Bild mit zwei Lesenden: «Unter wärmenden Decken / ruhen im Garten zwei / Lesende, reifen.» Diese reifende Wirkung hat auch die Lektüre von Klaus Merz’ Texten. Aus dem Staub sind Gedichte, die bescheiden und karg daherkommen und einen aber mitten ins Herz treffen. Die Empfindlichkeit, die der Autor aus scheinbar banalen Situationen bis zu ihrem Kern herausschält, schärft das Auge – und die Sinne. (Bettina Spoerri)