Martina Clavadetscher wurde 1979 in Zug geboren. Nach dem Studium der Germanistik, Linguistik und Philosophie an der Universität Fribourg zog sie mit einem Stipendium nach Berlin. Seit 2006 lebt sie wieder in der Zentralschweiz. Sie schreibt Drehbücher, Theaterstücke, Radiokolumnen und ist Autorin einer Erzählung und eines Romans. 2004 gewann sie den Literaturpreis der Universität Fribourg, 2012 den Kulturförderpreis des Kantons Schwyz und 2017 den Preis der Marianne und Curt Dienemann-Stiftung. Für die Spielzeit 2013/14 war sie Hausautorin des Luzerner Theaters.
Bibliographie
Wie zeigt man etwas, das längst alle sehen? Martina Clavadetscher, Schweizer Buchpreisträgerin und eine der renommiertesten deutschsprachigen Autorinnen, macht den unsichtbaren Elefanten im Raum sichtbar und fragt nach der Verantwortung von Literatur. Gekonnt erzählt und voller eindrücklicher Bilder trägt dieser Roman seine beängstigende Aktualität schon im Titel: Das könnte die Geschichte jedes Menschen sein. In jedem Land, zu jeder Zeit. Solange niemand aus den Schrecken der anderen lernt.
Ein Junge stößt beim Schlittschuhlaufen auf einen Toten im Eis und den Beginn einer sonderbaren Geschichte. Kern, ein schwerreicher Erbe, kann nicht länger ignorieren, dass seine Augen schwächer werden. Doch will er überhaupt klarsehen? Da ist Kerns hundertjährige Mutter, die den grössten Teil des Tages im Dachgeschoss der Villa im Bett liegt, und doch mit brutaler Konsequenz die Fäden in der Hand hält. Da ist Schibig, ein einsamer Archivar, der sich mitreissen lässt von Rosa, der Alten aus dem Wohnwagen, die an den eigentlich unspektakulären Vorfällen ein spektakuläres Interesse hat – weil sie versteht, dass nichts je ins Leere läuft, sondern alles miteinander verbunden ist: Der Tote im Eis, die Zylinderherren im Gasthof Adler, Kerns Frau, die sich weigert, Kreide zu essen, ein geplantes Mahnmal, bedrohliche Bergdrachen und andere hartnäckige Legenden.
(C.H.Beck Verlag)