Eugen Gomringer wurde 1925 in Cachuela Esperanza (Bolivien) geboren als Sohn eines Schweizers und einer Bolivianerin. Er wuchs in der Schweiz bei den Grosseltern auf und studierte von 1944 bis 1952 Kunstgeschichte und Nationalökonomie in Bern. Nach längeren Aufenthalten in Rom, Paris und London wurde er in den frühen 1950er Jahren Mitarbeiter von Max Bill an der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Er war Begründer der Konkreten Poesie. Von 1977 bis 1990 lehrte er als Professor für Theorie der Ästhetik in Düsseldorf. Eugen Gomringer lebte im bayerischen Rehau, wo er Kulturbeauftragter des Selber Porzellanherstellers Rosenthal war. 2011 wurde er für sein umfangreiches künstlerisches und schriftstellerisches Werk mit dem Alice-Salomon-Poetik-Preis ausgezeichnet. Zuletzt lebte Eugen Gomringer bei seiner Tochter, der Lyrikerin Nora Gomringer, in Bamberg, wo er am 21. August 2025 100-jährig starb.
Bibliographie
Vor 65 Jahren erschien Eugen Gomringers Gedicht «avenidas» in der Zeitschrift «spirale». Es war ein erstes Beispiel jener «Konstellationen», die in der Folge eine wesentliche Grundform der Konreten Poesie bilden sollte. Auf unvermutete Weise hat dieses Gedicht in jüngster Vergangenheit für Zündstoff gesorgt und eine umstrittene Aktualität gewonnen – Anlass genug, das dichterische Werk des Begründers der Konkreten Poesie neu zu betrachten. Eugen Gomringer hat dazu eine Anzahl seiner wesentlichen Gedichte versammelt, sie selber kommentiert und ihnen Essays bekannter Autorenkollegen beigegeben. Er hält damit Rückschau auf die Entwicklung einer literarischen Bewegung, deren minimalistischer Reduktionismus zunächst als belanglose Spielerei belächelt wurde, deren kreatives Potential sich unterdessen jedoch in einer weltweiten Rezeption und Verbreitung erwiesen hat. Im Mittelpunkt des vorliegenden Bandes stehen sechzehn Texte, die ebenso sinnfällig wie schlagend vor Augen führen, dass nicht nur inhaltliche, sondern auch streng formale Verdichtung poetische Wirkungen hervorbringen kann. Die vielen Facetten dieses Verfahrens zeigen die Gedichte «schwiizer», «ode an züri», «fünf vokale», «schweigen», «kosmos chaos extase», «chumm», «wind», «häuser des i ging», «sie wirken zusammen», «avenidas y flores», «kein fehler im system», «konstellationen», «ping pong», «möv möv», «das schwarze geheimnis», «gleichmässig gleich» und «vokale».
(Buchpräsentation Nimbus Verlag)