Der 1959 geborene Leo Tuor verbrachte seine Kindheit in Rabius und Disentis. Nach dem Gymnasium in der Klosterschule studierte er unter anderem Philosophie und Literatur in Zürich, Freiburg, Berlin. Er erwarb das Sekundarlehrerdiplom und wurde dann für viele Jahre Schafhirt auf der Greina. Im Winter arbeitete Tuor als Dokumentalist beim Rätoromanischen Radio und Fernsehen in Chur und an der kritischen Edition von Giacun Hasper Muoths Werken. Im Sommer 2000 reiste er für die Schweiz als Autor des Literatur Express Europa 2000 von Lissabon bis Moskau. Neben den verschiedenen Übersetzungen publizierte er auch musikalische Transpositionen einzelner Werke. Weiter umfasst Tuors schriftstellerische Arbeit Kurzgeschichten, zahlreiche Essays und Kolumnen wie auch Theateradaptationen und Übersetzungen aus der Weltliteratur für das Schweizerische Jugenschriftenwerk SJW/OSL. Leo Tuor wurde mit namhaften Auszeichnungen gewürdigt, unter anderem mit dem Schweizerischen Schillerpreis und dem Bündner Literaturpreis, dem Preis der UBS Kulturstiftung für das Gesamtwerk und dem Prix du Conseil International de la Chasse CIC in Südafrika. Er lebt mit der Theologin Christina Tuor-Kurth und drei Söhnen in Val im Val Sumvitg.
Bibliographie
Sein Vater hat sich umgebracht, seine Mutter ist darob kalt geworden. Jetzt wächst «der Bub» bei den Grosseltern und der Urgrossmutter Onna Maria auf. Die Letztere wird seine starke Instanz. Mit dem einarmigen Grossvater Pieder Paul teilt er den Phantomschmerz, in der Suche nach anderen Menschen, denen etwas fehlt, nach Einarmigen und Einbeinigen, nach Prothesen, nach Vätern und Übervätern. Onna Maria spricht wenig, aber bestimmt, Pieder Paul viel, aber nur in Zitaten.
Leo Tuor zeichnet eine ungewöhnliche Persönlichkeitsbildung nach in einem ganz gewöhnlichen, katholischen Dorf zu einer Zeit, als Welten und Weltbilder noch geschlossen waren. Und so leicht seine Prosa ist, so wenig glättet sie diese kleine, exemplarische Welt voller Schrullen und Schratten, Enge und Grösse, Schabernack und Tiefe. Und fliessend fügen sich die Erinnerungen zu einer surselvischen Geschichte anhand von vier Generationen und zu einer Integration des erzählenden Ichs in seine genealogia.
En la gallaria dils antenats cumparan bab e mumma, tats e tattas ed ina fila da parentella cumprada ed artada: originals e copias, quaders e rodunds, méls ed asens, lufs e luffas, nutriders e mulschiders, en biala cumpignia.
(Buchpräsentation Limmat Verlag)