Jörg Steiner

Jörg Steiner
© Yvonne Böhler

Jörg Steiner wurde am 26. Oktober 1930 in Biel geboren. Nach einer abgebrochenen Drogistenlehre besuchte er das Lehrerseminar, das er 1952 mit einem Patent abschloss. In der Folge arbeitete er in einem Heim für schwererziehbare Jugendliche und als Volksschullehrer in der Region Biel. Er unternahm Reisen nach Spanien, Frankreich, Amerika, Ostafrika, Italien und in die damalige Tschechoslowakei, immer wieder unterbrochen von Reisen unter anderem nach Amerika und Ostafrika. Zwischen 1955 und 1960 arbeitete er in dem von ihm gegründeten «Verlag der Vorstadtpresse», 1961 redigierte er die Literaturseite des «Bieler Tagblattes», in den Jahren 1970 bis 1972 wirkte er als Stipendiat am Stadttheater Basel. Steiners Werk umfasst Romane, Erzählungen und Gedichte. Zusammen mit dem Illustrator Jörg Müller hat er mehrere Kinderbücher verfasst. Steiner lebte als freischaffender Autor in Biel, wo er am 20. Januar 2013 starb.

Für sein umfangreiches Werk ist er mit zahlreichen Ehrungen und Preisen bedacht worden, unter anderen: Internationaler Charles Veillon-Preis (1967); Literaturpreis der Stadt Bern (1969); Grosser Literaturpreis des Kantons Bern (1976); Deutscher Kinder- und Jugendschallplattenpreis (1981); Gustav Heinemann-Friedenspreis (1982); Deutscher Jugendliteraturpreis (1990); Erich Fried-Preis (1994); Berliner Literaturpreis (1998); Max-Frisch-Preis der Stadt Zürich (2002).

Bibliographie

Berlin, Suhrkamp, 2021.

Jörg Steiner ist in der Generation nach Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt einer der großen Erzähler der Schweizer Literatur. Strafarbeit, mit dem er 1962 als Romancier debütierte, gilt als Klassiker – und mit Wer tanzt schon zu Musik von Schostakowitsch veröffentlichte er 2000 ein letztes Meisterwerk. «Daß die Wahrheit eine Geschichte ist, heute eine andere als morgen, ist nur natürlich», heißt es darin gleich zu Beginn. Steiner hält das Erzählte immer frei von Festlegungen. Sein Blick gilt den Rändern der Gesellschaft – dem Museumsaufseher Goody Eisinger etwa, fast eine Robert-Walser-Figur. Oder José, genannt «Schose», der seine Freiheit sucht, dem arbeitslosen Bernhard Greif, der als unfreiwilliger Flaneur durch Biel streift. Steiners Prosatexte lassen sich lesen als eine Comédie humaine, unaufgeregt erzählt, doch mit großer Wärme.

Die vierbändige Ausgabe der Werke versammelt Steiners Romane und wichtigste Erzählungen, darunter kaum bekannte Geschichten, sowie ausgewählte Essays und Reden.

(Suhrkamp Verlag)

Im Sessel von Robert Walser , Zürich, Limmat, 2015.
Ein Kirschbaum am Pazifischen Ozean , Frankfurt a.M., Suhrkamp, 2008.
Mit deiner Stimme überlebe ich , hrsg. und mit einem Nachw. von Rainer Weiss, Frankfurt a.M., Insel, 2005.
Il collega , Übersetzung von Mattia Mantovani , Bellinzona, Casagrande, 2000.
Wer tanzt schon zu Musik von Schostakowitsch , Frankfurt a.M., Suhrkamp, 2000.
Deutschland in kleinen Geschichten , Frankfurt a.M., Suhrkamp, 1997.
Le Collègue , Übersetzung von Gilbert Musy , Genève, Zoé, 1996.
Der Kollege , Frankfurt a.M., Suhrkamp, 1996.
Weissenbach und die anderen , Frankfurt a.M., Suhrkamp, 1994.
Fremdes Land , Frankfurt a.M., Suhrkamp, 1989.
Un accroc dans le filet , Übersetzung von Anne Cuneo und Véronique Deshayes , Lausanne, L’Aire, 1988.
Olduvai , Frankfurt a.M., Suhrkamp, 1985.
Das Netz zerreissen , Frankfurt a.M., Suhrkamp, 1982.
Als es noch Grenzen gab , Frankfurt a.M., Suhrkamp, 1976.
Schnee bis in die Niederungen , Darmstadt, Luchterhand, 1973.
Un couteau dans l'herbe , Übersetzung von Christine Kübler , Paris, Denoël, 1972.
Le Cas du détenu Bund [Strafarbeit] , Übersetzung von Christine Kübler , Paris, Denoël, 1970.
Auf dem Berge Sinai , Darmstadt, Luchterhand, 1969.
Der schwarze Kasten , Olten, Walter, 1965.
Strafarbeit , Olten, Walter, 1962.
Abendanzug zu verkaufen , Bern, Benteli, 1961.
Eine Stunde vor Schlaf , St. Gallen, Tschudy, 1958.
Episoden aus Rabenland , Küsnacht, Eirene, 1956.
Feiere einen schönen Tag , Zeichnungen: Edwin Keller, Biel, Arena, 1955.