Dragica Rajčić

Dragica Rajčić
© Yvonne Böhler

Dragica Rajčić wurde 1959 in Split, Kroatien geboren. Noch im Gymnasium in Split veröffentlichte sie Gedichte und Kurzprosa. 1978 kam sie über Australien und Deutschland in die Schweiz. Hier begann sie auch in deutscher Sprache zu schreiben. 1986 erschien ihr erster Gedichtband auf Deutsch: Halbgedichte einer Gastfrau. Von 1988 bis zum Ausbruch des Krieges arbeitete sie als Journalistin in Kroatien und kehrte dann in die Schweiz zurück. Sie wurde u.a. mit dem Adalbert-von-Chamisso-Preis und dem Lyrikpreis Meran ausgezeichnet. Dragica Rajčić ist heute als freie Autorin und soziokulturelle Animatorin in Zürich tätig.

www.dragicarajcic.ch

Bibliographie

Berlin, Matthes & Seitz, 2020.

»Wäre Mutter anders, hätte ich nie geheiratet. Wie ein Hund, von der Leine gerissen, lief ich durchs Fenster weg, hängte ich mich an Igor.« In einer rohen, wilden und starken Sprache, ihre eigene Herkunft nicht verleugnend, erzählt die Lyrikerin und Dramatikerin Dragica Rajčić Holzner aus der Innensicht von einer unmöglichen Ehe, in der mit Gewalt auf Liebe geantwortet wird, und mit Liebe auf Gewalt. Als die Ich­-Erzählerin Igor zum ersten Mal sieht, erscheint er ihr wie ihre Rettung. Und doch ist da gleich zu Beginn dieses ungute Gefühl, das immer wieder weggeschoben und ignoriert werden will. Igor trinkt zu viel, aber tun das nicht alle Männer? Er ist aufbrausend, aber auch das ist doch nichts Ungewöhnliches. Jahre später zieht das verheiratete Paar in den Norden der USA. Hier wird sich die anfangs noch diffuse Unruhe als prophetisch er­ weisen. Der Mann, an den sie sich in ihrer Jugend voller Hoffnung klammerte, wird zu jemand völlig anderem. Und wieder muss sie fliehen – diesmal fort von ihm. Über hundert Jahre tief, bis in die Zeit der Spanischen Grippe, senkt sie das Lot der eigenen und erzählten Erinnerungen, um die raue Zeit des Auf­wachsens im ländlichen Jugoslawien der 60er­Jahre, die Flucht von der Familie, das Hineingeraten in die frühe Ehe und die späte Befreiung daraus zu verstehen. Ein Roman wie das darin geschilderte Leben: ein glitzernder Scherbenhaufen, eine fesselnde Naturgewalt.

(Buchpräsentation Matthes & Seitz)

Glück , Luzern, Der gesunde Menschenversand, 2019.
Warten auf Broch , Innsbruck, Studienverlag, 2011.
Buch von Glück , mit Fotos von Erika Mezger, Zürich, Edition 8, 2004.
Post bellum , Zürich, Edition 8, 2000.
Nur Gute kommt ins Himmel , hrsg. von Verena Stettler, Zürich, Eco, 1994.
Lebendigkeit Ihre züruck , hrsg. von Verena Stettler, Zürich, Eco, 1992.
Halbgedichte einer Gastfrau , St. Gallen, Narziss & Ego, 1986.