Mariella Mehr (1947-2022)

Mariella Mehr (1947-2022)
© Yvonne Böhler

Mariella Mehr wurde 1947 in Zürich als Jenische (Angehörige des Roma-Volks) geboren. Im Zuge der Aktion «Kinder der Landstrasse» wurde sie ihrer Familie entrissen. Seit 1974 ist sie publizistisch tätig. 1996 liess sich Mariella Mehr in der Toskana nieder. 2014 kehrte sie in die Schweiz zurück. 2012 erhielt sie den ProLitteris-Preis für ein literarisches Lebenswerk. Am 5. September 2022 starb sie in Zürich.

Bibliographie

Zürich, Limmat, 2022.

«Sehr geehrte Damen und Herren, vor Ihnen steht eine ‹verstimmbare, haltlose, geltungsbedürftige und moralisch schwachsinnige Psychopathin mit neuro­tischen Zügen und einem starken Hang zur Selbstüber­schätzung, was ihr Wunsch, Schriftstellerin zu wer­den, beweist. In Erwägung ihrer hereditären Belastung – die Probandin gehört zur dritten Generation einer degenerierten Vagantenfamilie – kann eine dauernde Einweisung in eine Psychiatrische Klinik nicht ausge­schlossen werden›.» Mit diesem Zitat aus einem psychiatrischen Gutachten über sich beginnt Mariella Mehrs Rede anlässlich der Ehrendoktorwürde der Universität Basel. Sie erzählt von ihren Gutachtern, einem, der nur so lange Schach mit ihr spielte, wie er gewann, oder einem, der seine Doktorarbeit abgeschrie­ben hatte. Sie erzählt von ihren Akten, die noch immer herumgereicht werden, auch privat, und sie fragt, was mit diesen Akten geschehen wird, wenn die Menschen­verachtung mal wieder Oberhand gewinnt. Und sie appelliert an die Wissenschaft, Verantwortung zu über­nehmen für ihre Begriffe, mit denen sie Menschen bezeichnet und zeichnet fürs Leben.

(Limmat Verlag)

La Revue de Belles-Lettres 2020, 1-2 , Übersetzung von AA.VV. und Camille Luscher , Lausanne, RBL, 2020.
Widerworte , Herausgegeben von Nina Debrunner, Christa Baumberger / Mit Texten von Anna Ruchat, Martin Zingg, Fredi Lerch, Zürich, Limmat, 2017.
Ognuno incatenato alla sua ora , Übersetzung von Anna Ruchat , Torino, Einaudi, 2014.
Angeklagt , Luzern, Der gesunde Menschenversand, 2014.
San Colombano e attesa [San Colombano und Wartezeit] , con dieci disegni di Curzio Di Giovanni, Übersetzung von Anna Ruchat , Milano, Effigie edizioni, 2010.
Accusata , Übersetzung von Claudia Costa , Milano, Effigie edizioni, 2008.
Piccola biennale di del nero e del bianco , Rovio, Edizioni Rovio, 2007.
Notizie dall'esilio / Nevipe andar o exilo , trad. in lingua rom di Rajko Djurić, Übersetzung von Anna Ruchat und Tina D'Agostini , Milano, Effigie edizioni, 2006.
Labambina , Übersetzung von Anna Ruchat , Milano, Effigie edizioni, 2006.
Notizie dall'esilio , acquaforte di André Beuchat, Übersetzung von Anna Ruchat , Mendrisio, J. Weiss, 2005.
Im Sternbild des Wolfes , Klagenfurt, Drava, 2003.
Angeklagt , Zürich, Nagel & Kimche, 2002.
Il marchio , Übersetzung von Tina D'Agostini , Ferrara, L. Tufani, 2001.
Noir sortilège , ill. de Stefano Ricci, Übersetzung von Jacques Duvernet , Essertines-sur-Rolle, Demoures, 2001.
Widerwelten , teilweise zweisprachig. Übers. ins Romanes von Miso Nikolic; mit einem Geleitw. von Kurt Marti, Klagenfurt, Drava, 2001.
Lamioche [Daskind] , ill. de Stefano Ricci, Übersetzung von Monique Laederach , Essertines-sur-Rolle, Demoures, 1999.
Nachrichten aus dem Exil , zweisprachig (deutsch und romanès). Ins Romanès übers. von Rajko Djuric, Klagenfurt, Drava, 1998.
Brandzauber , Zürich, Nagel & Kimche, 1998.
Steinzeit , Übersetzung von Fausta Morganti , Rimini / San Marino, Guaraldi / AIEP editore, 1995.
Daskind , Zürich, Nagel & Kimche, 1995.
Zeus oder Der Zwillingston , hrsg. von Ruth Mayer, Zürich, Edition R und F, 1994.
RückBlitze , Gümligen, Zytglogge, 1990.
Age de pierre , Übersetzung von Jeanne Étoré , Paris, Aubier-Montaigne, 1987.
Kinder der Landstrasse , Gümligen, Zytglogge, 1987.
Das Licht der Frau , Gümligen, Zytglogge, 1984.
Steinzeit , Gümligen, Zytglogge, 1981.