Elisabeth Wandeler-Deck wurde 1939 in Zürich geboren. Nach einem Architekturstudium an der ETH Zürich machte sie ein Zusatzstudium in Soziologie und Klinischer Psychologie. Sie war u.a. am Aufbau einer Psychologischen Beratungsstelle für Frauen beteiligt und hatte eine eigene Praxis. Seit 1976 ist sie auch als Schriftstellerin, Musikerin und Performerin tätig. Ihr Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2012 mit dem Anerkennungspreis der Stadt Zürich und 2013 mit dem Basler Lyrikpreis.
Bibliographie
Elisabeth Wandeler-Decks Anlandebahnen für Geräusche ist inspiriert von der Bildserie «Le temps du sommeil» des belgischen Künstlers Franics Alÿs: Vignettenhafte Ausschnitte, die archetypische Szenerien und Handlungen eines Mannes im grauen Anzug, einer Frau mit Zuckerhut oder einer Schar Kinder zeigen. Alltägliche Gesten und Momente erscheinen infolge ihrer Kontextlosigkeit ins Absurde verschoben.
Die Autorin überführt solche Anmutung in eine Textur des Unbestimmten und Potentiellen, und im Herantasten an mögliche Bild-Auslegungen erschreibt sie zugleich Modelle poetischer Sinnstiftung und -dekonstruktion. Augenblicke aus Alÿs’ Miniaturen werden überlagert von Erinnerung, falten sich in Erzählflächen auf, deren Brüchigkeit der mehrfachen Entfremdung heutigen Lebens und Zusammenlebens Evidenz verleiht.
Bezugsreiche Farbsymbolik und Lautspiele entwickeln ästhetischen Eigen-Sinn und weisen über Atmosphären von Haltlosigkeit und Verlorenheit hinaus. Elisabeth Wandeler-Decks Anlandebahnen für Geräusche sind singuläre Beiträge zur Kunst des Sehens und glückhafte Beispiele transmedialer Anverwandlung.
(Ritter Verlag)