Viviane Egli wurde 1956 in Zollikofen BE geboren und wuchs in St.Gallen auf. Heute lebt sie in Zürich. Sie studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie (Schwerpunkt Mediävistik) an der Universität Zürich, promovierte 1986 mit einer Dissertation über Gebärdensprache und Bedeutung mittelalterlicher Rittergrabbilder. Sie war freiberuflich als Journalistin tätig (Anzeiger St.Gallen, Brückenbauer, Kunstmagazin artis, Theaterkritikerin für die Neue Zürcher Zeitung). 1989 wechselte sie in die Kommunikationsbranche und war von 1990 – 1997 Chefredaktorin des Inflight Magazins Swissair Gazette, 1997 – 2003 Geschäftsleitung (zu zweit) und Partnerin von Frontpage AG. 2003 gründete sie das eigene Unternehmen Primafila AG / Primafila Correspondents in Zürich, das im Auftrag von Unternehmungen und Konzernen wie Siemens, MAN, American Express etc. für weltweite journalistische Berichterstattungen und Dokumentationen tätig ist. Seit 2009 ist sie Mitglied der Redaktion der Schweizer Literaturzeitschrift orte.
Bibliographie
Herbst 2009. An einem Klassentreffen in Zürich begegnen sich Sven und Esther nach vierzig Jahren erstmals wieder. Sven fühlte sich während seiner Schulzeit zur eigenwilligen Esther aus einer Familie ostjüdischer Provenienz hingezogen, war aber zu schüchtern, ihr seine Gefühle zu gestehen. Was damals eine adoleszente Nähe, ein unbestimmtes Glimmen war, wird vier Jahrzehnte später eine ernsthafte Beziehung.
Sven, Mathematiker und selbstständiger Ingenieur, reist im Auftrag seiner Kunden und für Vorträge um die Welt. Als er einen Lehrauftrag an einer Tokyoter Universität erhält, bittet er Esther, mit ihm nach Japan zu ziehen. Esther, die ihre journalistischen Projekte auch aus der Ferne erledigen kann, stimmt zu. Bald aber stellt sie fest, dass sie körperlich zunehmend schwächer wird. Während eines beruflichen Zwischenstopps in der Schweiz sucht sie einen Arzt auf.
Am Tag ihrer Abreise aus Japan im März 2011 ist Sven an einer Frühjahrsgrippe erkrankt und erlebt das Erdbeben und die Nachrichten von Fukushima im Fieberwahn im kleinen Tokyoter Apartment, wo er auf Esthers Rückkehr wartet.
Kurze Rückblenden ziehen sich durch den ganzen Roman und weben eine Brücke in die Vergangenheit, die ins Lebensgefühl der Siebzigerjahre zurückführt. Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht der beiden Figuren Sven und Esther erzählt, bietet aber auch die Perspektiven anderer Charaktere: diejenige von Martin, einem ehemaliger Schulfreund der beiden, von Jeanette, Svens Ex-Frau, und die eines alten Apothekers aus Esthers Nachbarschaft.
In ihren neuen Roman lässt Viviane Egli eigene Lebensstationen mit einfliessen. Besonders ihre Erfahrungen auf beruflichen Reisen lassen Svens Aufenthalte in Japan lebendig und authentisch wirken. Ihre Beschreibung der historischen Momente ist eindrücklich, zum Beispiel die Situation in Tokyo nach dem verheerenden Tsunami und der anschließenden Nuklearkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 oder die Hinweise auf das Hinterhaus in Amsterdam, in dem Anne Frank zwei Jahre lang gelebt hat.
(Caracol Verlag)
Ausgewählte Bibliographie
Wo mini Stube isch, bin ich dehaime. Über das Burgfräulein vom Yberg, Porträtbuch, zusammen mit Heidy Gasser, Daniele Muscionico und Werner Bucher. Oberegg AI: Orte-Verlag, 2004.
Finale in Wollishofen. Kriminalroman. Oberegg AI: Orte-Verlag, 2003.
Z’frede see. Chapf-Köbi, einer der letzten sennischen Menschen. Porträtbuch, zusammen mit Heidy Gasser, Daniele Muscionico und Werner Bucher. Oberegg AI: Orte-Verlag, 2002.
Engel im falschen Zug. Kriminalroman. Oberegg AI: Orte-Verlag, 1999.