Daniel Henseler, 1970 geboren, hat in Fribourg, Bern und Moskau Slavistik und neuere deutsche Literatur studiert. Er promovierte 2003 (über Anna Achmatova) und habilitierte sich 2009 (über die «Bäuerliche Richtung» in der neusten polnischen Literatur). Er ist Dozent für Russisch am Sprachenzentrum der Universität und ETH Zürich. Ausserdem hat er Lehraufträge in slavistischer Literaturwissenschaft (Universität Fribourg) und interkultureller Kommunikation Russland (Fachhochschule Bern; Private Hochschule Wirtschaft Zürich). Er ist Mitbegründer von www.ostbuero.ch.
Der Slavist, Germanist, und Literaturkritiker ist auch Lyriker. Seine Lyrik wurde u.a. in der Zeitschrift Orte, auf fixpoetry und in Anthologien veröffentlicht.
Bibliographie
mit einem Text von Isabelle Vonlanthen, Umschlagfoto von Thea Sautter,
Zürich,
Edition Howeg,
2021.
brief
verehrte dichterin
ich möchte ihnen nur mitteilen
dass ich gestern abend an der haltestelle stand
und wartete
es war karneval
aus den gassen dröhnte wilde musik
und die busse fuhren nicht nach plan,
oder nach einem, den ich nicht kannte
farbiges konfetti flog durch die luft
und ich stand auf dem falschen perron
verehrte dichterin
ich möchte ihnen mitteilen
dass ich an der haltestelle stand
und ihre gedichte las,
in einer stadt, fern der ihren,
während der schnee trieb
(Daniel Henseler, Ich mache mich aus dem Staub (graffito), Edition Howeg)