Fabian Schwitter wurde 1984 geboren. Er studierte Philosophie, Germanistik und Anglistik in Zürich und promovierte in Allgmeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft. Er arbeitete als Journalist, Lehrer und Dozent. Von 2013-2015 war er Herausgeber und Redaktionsleiter der literarischen Zeitschrift delirium. 2017 zog er für ein Auslandjahr nach Leipzig und wohnt seit 2018 als freier Schriftsteller in Leipzig und Zürich.
Bibliographie
Aus dem Nebel schlafloser Nächte tauchen Striche und Linien auf wie Schlangenspuren im Sand: »Paradigma eines Schriftbildes« (Ludwig D. Morenz). - Das Buch der Natur? Und das Buch des Menschs? - »Valerio: Und Sie Prinz, sind ein Buch ohne Buchstaben, mit nichts als Gedankenstrichen.« (Georg Büchner) - Schriebe ich - kaum hörbar - von einem Lied, reihte ich nichts als Gedankenstrich um Gedankenstrich aneinander wie eine saitenartige Höhenlinie? Was bildest du dir ein, sagst du, mit Bleistift und Papier vor ei- nem Bildschirm. Ich müsste wie Valerio ein Narr sein, sänge ich - als wollte ich dä Foifer und s'Weggli - »Lieder und Gedichte« (Oswald Egger) zugleich. Schwingen wir uns also mit den Klängen vibrierender Saiten im Kopf in Gedanken an Strichen und Linien zu neuen Höhen der »Grundlagen unseres modernen Weltbildes« (Raoul Schrott) auf, vergehen uns Hören und Sehen im Schauen, bevor wir unter dem Dickicht und dem Blätterdach des Bücherwalds hervor die Bilder in den Wolken am Him- mel für den Bruchteil einer Sekunde erkennen, während sie sich unablässig - in Reih und Glied? - an uns vorüberziehend verwandeln. Was, aber wir eilen mit Siebenmeilenstiefeln einem Dreisatz entlang, kriegen wir zwischen den Luft- und Zeilensprüngen zu fassen? Das Leben liegt - Berge wie Atome - Glied für Glied verschlungen und zu Schichten gefal- tet - gebändigt und gebunden wie die Striche der Buchstaben zu Stein erstarrter Laute: »wir aber atmeten staub und meißelten // wort um wort ohne vokal • nichts als geräusch / aus dem tauben gestein • geliebte die du auch haßt / herrin des türkis und seiner schlacke von mitlauten« (Raoul Schrott) - in Ketten vor unseren Augen. Ungläubig blinzelnd bilden wir die Geschichten der Menschen mit diesen unaufhörlichen Reihen gesetzter, wie an Ketten gelegter Buchstaben ab: »Wie immer starrte Amelia lange Zeit auf die Buchstaben in dem kurzen Satz The cat sat on the mat. Sie saß gebannt wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange. Dann, ganz langsam, aber fehlerlos, begann sie die Wörter zu artikulieren.«
(Editon Howeg)