Zsuzsanna Gahse (zuerst Vajda) wurde 1946 in Budapest geboren. 1956 flüchtete ihre Familie aus Ungarn nach Wien. Nach dem Gymnasium in Wien und in Kassel lebte Zsuzsanna Gahse lange in Stuttgart, wo sie ab 1969 literarische Texte veröffentlichte und Beiträge für den Süddeutschen Rundfunk schrieb. Mit dem Aspekte-Literaturpreis des ZDF, den sie für ihr erstes Buch Zero erhielt, wurde die Autorin 1983 der literarischen Öffentlichkeit bekannt. 1989–1993 gab sie ein Schreibseminar an der Universität Tübingen. Anfang der Neunzigerjahre lebte sie vorübergehend in Überlingen am Bodensee, danach wieder in Stuttgart, bevor sie 1993 für ein Jahr zur Stadtbeobachterin in Zug ernannt wurde. Zsuzsanna Gahse blieb in der Schweiz und lebte in Luzern. 1996 hatte sie eine Poetikprofessur an der Universität Bamberg inne und 2008 eine Poetikdozentur an der TU Dresden. Seit Ende 1998 wohnt sie mit dem Künstler Christoph Rütimann in Müllheim (TG). Die Autorin und Übersetzerin aus dem Ungarischen wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Stuttgarter Literaturpreis (1990), dem Tibor-Déry- Preis (für Übersetzungen, 1999), dem Bodensee-Literaturpreis (2004), dem Adelbert-von-Chamisso-Preis (2006), dem Kulturpreis des Kantons Thurgau (2010), dem Johann-Heinrich-Voß-Preis der Deutschen Akademie, Darmstadt (2010), dem Italo-Svevo-Preis (2017), dem Werner-Bergengruen-Preis (2017) und dem Schweizer Grand Prix Literatur (2019).
Bibliographie
Zsuzsanna Gahse ist eine Meisterin des entspannten, genauen Hinschauens auf Menschen und die Welt. Ihre Bücher setzen sich zusammen aus einer Vielzahl von fein beobachteten Einzelheiten, die gekonnt ineinandergreifen und ein konzises Panorama unserer Gegenwart erstellen. Im Zentrum des neuen Buchs stehen Frauen, die Frauen von Frauenfeld, einer Stadt im Nordosten der Schweiz. Dort wohnen seit Kurzem Manu, Sam, Lucian und auch die Erzählerin. Die vier beobachten in der neuen Gegend gerne die Passantinnen, was sie in kurze Szenen und Porträts fassen. Auch interessieren sie sich für Frauenfiguren ausvergangenen Zeiten und geraten wiederholt in Demonstrationen von Frauengruppen. Dann stolpert eine Frau, eine andere stürzt kurz darauf, bleibt liegen und wird vom Kranenwagen ins über der Stadt liegende Spital gebracht. Solche Stürze häufen sich und ein Frauenfeld-Krimi nimmt zusehends Konturen an.
(Edition Korrespondenzen)
Ausgewählte Bibliographie
Theaterstücke und Libretti
Leidlos. Szenischer Text. Uraufführung: Kammertheater, Stuttgart, 28.9.1993. Komposition: Axel Ruoff.
Levée oder Morgenstunde. Drama. Uraufführung: Theater Casino, Zug, 1.10.1994. Regie: Christoph Leimbacher.
A. V. D. H. ANSICHT VORSICHT DURCHSICHT HALT. Uraufführung: Pumpenhaus, Münster, 21.5.1997. Regie: Christoph Rütimann.
Mehr als elf. Commedia für eine Opernsängerin (Mezzosopran). Opernlibretto zur Musik von Alfred Zimmerlin. Basel: 2013/14.
Herausgeberschaft
Der kleine gemeine Sturmreiter. Schreibseminar des Instituts für Allgemeine Rhetorik (Tübingen). Renninben: Druckerei Schäme, 1990.
Inzwischen fallen die Reiche. Poesie aus Ungarn. Zusammen mit Gregor Laschen, György Petri und Trak Wendisch. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW, 1990 (Edition Die Horen 9).
Im übersetzten Sinn. Vom literarischen Übersetzen. Die Horen 218. Bremerhaven: 2005.
Übersetzungen aus dem Ungarischen
Péter Esterházy: Kleine ungarische Pornographie. Salzburg/Wien: Residenz, 1987. Péter Esterházy: Fuhrleute. Salzburg/Wien: Residenz, 1988.
István Eörsi: Ich fing eine Fliege beim Minister. Bagatellen. Klagenfurt/Salzburg: Wieser, 1991.
Péter Esterházy: Das Buch Hrabals. Roman. Salzburg/Wien: Residenz, 1991. Péter Esterházy: Eine Frau. Salzburg/Wien: Residenz, 1986.
Péter Esterházy: Abschiedssymphonie (Der Getreidehändler). Komödie in drei Akten. Wien: Thomas Sessler, 1986.
Péter Esterházy: Thomas Mann mampft Kebab am Fuße des Holstentors. Geschichten und Aufsätze. Salzburg/Wien: Residenz, 1999.
Endre Kukorelly, Lieblyng. Texte über Literatur, Musik usw. Mit Edit Baranyai. Stuttgart: Merz & solitude, 1999.
Miklós Mészöly: Das verzauberte Feuerwehrorchester. Märchen und Geschichten. Zürich: Sanssouci, 1999.
Péter Nádas: Etwas Licht. Nürnberg: Seidl, 1999.
Péter Nádas: Heimkehr. Essays. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1999.
Péter Esterházy: Fancsikó und Pinta. Geschichten auf ein Stück Schnur gefädelt. Berlin: Berliner Taschenbuch Verlag, 2002.
Zsuzsa Rakovszky: Familienroman. Gedichte. Ungarisch/Deutsch. Wien: Edition Korrespondenzen, 2002.
István Vörös: Die leere Grapefruit. Gedichte. Ungarisch/Deutsch. Wien: Edition Korrespondenzen, 2004.
Péter Esterházy: Rubens und die nichteuklidischen Weiber. Vier Theatertexte. Zusammen mit György Buda. Berlin: Berliner Taschenbuch Verlag, 2006.
Ottó Tolnai: Göttlicher Gestank. Gedichte. Ungarisch/Deutsch. Wien: Edition Korrespondenzen, 2009.
Péter Esterházy: Indirekt. Berlin: Berlin Verlag Taschenbuch, 2015.