Jakob Stutz wurde am 27. November 1801 in Isikon (heute zu Hittnau, Kt. Zürich) geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Bauer und Textilunternehmer. Nachdem die Eltern bereits 1813 gestorben waren, folgte für Stutz der soziale Abstieg. Er musste seinen Lebensunterhalt fortan als Hirt, Knecht und Heimweber selber verdienen. Die spärliche Bildung aus der Dorfschule reicherte er autodidaktisch und mit Privatunterricht an. So konnte Stutz 1827 in Zürich eine Stelle als Unterlehrer in der Blindenanstalt annehmen. 1836 musste er sie jedoch aufgeben, da ihn seine homosexuellen Neigungen in Schwierigkeiten brachten. Jakob Stutz arbeitete danach als Lehrer in einer privaten Anstalt im appenzellischen Schwellbrunn. Aber 1841 ereilte in das gleiche Schicksal wie zuvor und er wurde in Trogen zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe mit anschliessender Kantonsverweisung verurteilt. Stutz gab seine Lehrtätigkeit vollends auf um sich als Klausner auf den Sternenberg zurückzuziehen. Dort verbrachte der Dichter rund fünfzehn Jahre in seiner Einsiedelei «Jakobszelle». In dieser Zeit war Stutz schriftstellerisch tätig und war als Herausgeber einer monatlichen Zeitschrift tätig. Zugleich versuchter er in sozialreformerischer Absicht die Bildung der Bevölkerung voranzutreiben in dem er Lesevereine gründete, eine Leihbibliothek aufbaute, bildungshungrige Jünglinge um sich versammelte und Theatervorstellungen organisierte. Sein Bildungsoptimismus beflügelte ihn auch dazu, seine Lebensgeschichte niederzuschreiben und unter dem Titel Sieben mal sieben Jahre aus meinem Leben zu veröffentlichen. 1856 musste er Sternenberg jedoch wegen erneuter Erregung öffentlichen Ärgernisses verlassen. Er war in Pfäffikon zum zweiten Mal wegen homosexueller Vergehen verurteilt worden. Neben einigen Wochen Gefängnis wurde er mit drei Jahren Kantonsverweisung bestraft. Als Vorbestrafter, Vertriebener und Heimatloser lebte Jakob Stutz fortan unter den Ärmsten. Ein unregelmässiges und kümmerliches Einkommen bescherte ihm das verfassen von Volksstücken für Laienbühnen. Daneben arbeitete er ab und zu als Knecht oder Hauslehrer. Nach mehr als zehn Jahren Wanderleben fand Stutz 1867 bei seiner Nichte in Betswil (heute zu Bäretswil, Kanton Zürich) Unterkunft. Es sollte seine letzte Station sein. Einige Jahre später, am 14. Mai 1877, starb der Zürcher Oberländer Dichter. Die Schriften von Jakob Stutz sind heute ein wertvoller Fundus für die Volkskunde, enthalten sie doch genaue Beschreibungen der Lebensumstände der Zürcher Landbevölkerung ohne jegliche idyllische Verklärung. Stutz beschreibt in einer schlichten und präzisen Sprache die einfachen Leute und konnte mit seinen Schriften schon bald schriftstellerische Erfolge feiern und wurde zu einem der populärsten Autoren seiner Zeit. Er beschrieb das Volksleben in jambischen Mundartdialogen, die kleine Satiren gegen Ämtersucht, Neid und Geiz auf dem Land waren. Zugleich war er als Verfasser von zahlreichen Theaterstücken, darunter vor allem Lustspiele für Volks- und Schulbühnen, geschätzt. Das literarische Werk wird durch das Leben des Dichters kontrastiert, das mit Schwermut und Todessehnsucht erfüllt war.
Ausgewählte Bibliographie
Gemälde aus dem Volksleben, nach der Natur aufgenommen und getreu dargestellt in gereimten Gesprächen Züricherischer Mundart. Sechs Theile. Zürich, D. Bürkli, 1831
Vater Fortschritts Gespräch mit Josli und Uli über die neue Schulordnung in Appenzell A. Rh. im Winter 1838, in der Mundart. St. Gallen, Scheitlin, 1838
Briefe und Lieder aus dem Volksleben. St. Gallen, [s.n.], 1839
Winterabende in Schwellbrunn. Eine Sammlung dramatischer Spiele für Kinder und Erwachsene in schriftdeutscher Sprache und Zürcher Mundart. St. Gallen, Scheitlin u. Zollikofer, 1841
Vaterländische Schauspiele zur Feier von Volks- und Jugendfesten für Kinder und Erwachsene im Freien aufzuführen. Vom Verfasser der Volks-Gemälde. St. Gallen, [s.n.], 1842
Liese und Salome, die beiden Webermädchen. Eine Erzählung aus dem Volksleben. Zürich, Meyer und Zeller, 1847
Der arme Jakob und die reiche Anna. Erzählung aus dem Volksleben. Zürich, J. H. Locher, 1848
Sieben mal sieben Jahre aus meinem Leben. Als Beitrag zu näherer Kenntnis des Volkes. Fünf Teile. Pfäffikon Kanton Zürich, J.U. Zwingli, 1853-55
Der verirrte Sohn oder Die Räuber auf dem Schwarzwald. Schauspiel in vier Aufzügen. Glarus, J. Vogel, 1861
Wie Stiefkinder ihrer bösen Stiefmutter los werden. Nach einer wahren Begebenheit. Lustspiel in vier Aufzügen in Zürcher Mundart. Glarus, J. Vogel, 1865