Gion Antoni Bühler wurde am 10. (oder 20.) Oktober 1825 als Gion Antoni Bieler in Domat/Ems geboren. (Erst später hat er sich Bühler genannt.) Sowohl sein Vater als auch sein Grossvater waren Lehrer. Nach der Schule in Ems besuchte er das katholische Lehrerseminar St. Luzi ich Chur. Dann war er Lehrer in Obersaxen, Somvix, Ilanz, Bonaduz und Disentis. 1846 studierte er in München, wahrscheinlich Musik. Ein Jahr später heiratete er Maria Catrina Schwarz aus dem Weiler Hantschen Hüs in Obersaxen. 1852/53 war er Methodiklehrer am neuen kantonalen Seminar in Chur. Ab 1859 lehrte er Gesang, Musik, Mathematik, Zeichnen, Kalligraphie, Deutsch für Rätoromanen, und schliesslich auch Romanisch, und das bis zu seinem Tod am 24. Dezember 1897. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer beschäftigte sich Bühler intensiv mit Musik als Komponist und als Herausgeber von verschiedenen Liederbüchern. Das literarische und linguistische Werk Bühlers kann in zwei Perioden eingeteilt werden: Von 1857 bis 1867 schrieb er in Sursilvan, unter anderem eine Übersetzung von Schillers Wilhelm Tell, eine Grammatik der romanischen Sprache, sowie ein Lehrbuch für Deutsch an romanischen Schulen. Von 1867 bis 1897 benutzte er die von ihm entwickelte Einheitssprache «Romontsch fusionau». Die zahlreichen Gedichte und Novellen erschienen in der von ihm gegründeten Zeitschrift «Il Novellist» (1867–1868), in den Annalas da la Società Retorumantscha, und später in «Nies Tschespet». Die grossen Bemühungen Bühlers für eine einheitliche Schriftsprache aller Rätoromanen waren umsonst. Die Texte, die er in seinem «romontsch fusionau» geschrieben hatte, wurden vielmehr in die verschiedenen Idiome übersetzt, vor allem ins Surselvische.