Gonzague de Reynold (1880-1970) wurde in Fribourg in eine katholische Aristokratenfamilie geboren. Nach der altsprachlichen Matura fuhr er nach Paris, wo er 1909 sein Doktorat von der Sorbonne erhielt, wobei er sich ganz der intellektuellen Landschaft der Schweiz verschrieb. Mit Ramuz und den Bründern Cingria lancierte er 1904 die Westschweizer Zeitschrift La Voile latine. 1914 gründete er die Neue Helvetische Gesellschaft, welche Literaten um Werte wie das nationale Erbe oder regionalen Eigenheiten vereint. Er wurde Privatdozent und Lehrbeauftragter an der Universität Genf (1909-15), dann ordentlicher Professor für französische Literatur in Bern. Aufgrund der Publikation von La Démocratie en la Suisse 1931 zur Kündigung gezwungen, kehrte er an die Universität Fribourg zurück. Abgesehen vom Roman und dem Tagebuch stossen de Reynolds von seinen konservativen Positionen durchdrungenen Schriften in alle literarischen Genres vor. In den 1930er Jahren unterhielt er Kontakte zu Georges Oltramare und der Union nationale. 1941 verliess er die politische Bühne in der Folge eines Skandals um seine Ansicht, die Schweiz solle ihre Neutralität zugunsten von Deutschland aufgeben. Die jüngere Geschichtsschreibung sieht in de Reynold den Vordenker aller rechten Bewegungen der Schweiz zwischen 1910 und den 1940er Jahren, obwohl sie anerkennt, dass er stets eine gewisse Distanz gegenüber den Fronten wahrte und dass seine Lehre Faschismus und Nationalsozialismus ablehnte. 1955 wurde ihm der Grosse Preis der Schweizer Schillerstiftung verliehen.
(Quellen: Dictionnaire historique de la Suisse (www.dhs.ch) und Roger Francillon (dir.), Histoire de la littérature en Suisse romande, vol. 2, Lausanne Payot, 1997, pp. 293-303.)