Die deutsche Künstlerin Emmy Hennings (1885–1948) war eine zentrale Gründungsfigur der Zürcher Dada-Bewegung und eine schillernde Persönlichkeit: Sie trat u. a. als Dichterin, Kabarettistin und Tänzerin auf. Mit Hugo Ball eröffnete sie 1916 an der Zürcher Spiegelgasse das Cabaret Voltaire, an dem sich Hans Arp, Tristan Tzara, Richard Huelsenbeck, Marcel Janco und andere beteiligten. Von da aus begann Dada seinen internationalen Siegeszug und entwickelte sich zu einer der einflussreichsten Kunstbewegung des 20. Jahrhunderts.
Bibliographie
Nach Erscheinen ihres zweiten Romans Das Brandmal im Jahr 1920 galt Hennings als eine der wichtigsten Schriftstellerinnen ihrer Generation. Die radikale und selbstzerstörerische Aufrichtigkeit des Mädchens Dagny, das ruhelos durch die deutschen Städte zieht und sich zeitweise zur Prostitution gezwungen sieht, wurde mit den Romanen Hamsuns und Dostojewskijs sowie den Bekenntnissen von Augustinus und Rousseau verglichen. Auch heute liest sich der Roman als eindringliches Zeugnis eines bedrängten Lebens, das an Aktualität nichts verloren hat. Die 1923 erschienene Erzählung Das ewige Lied ist der Fiebermonolog einer Sterbenden, der in vielerlei Hinsicht an Das Brandmal anknüpft. Von der Literaturgeschichte nahezu vergessen, wird dieses Werk hier erstmals wieder aufgelegt. Der zweite Band der Kommentierten Studienausgabe enthält beide Texte nach dem Erstdruck ediert und von einem ausführlichen Stellenkommentar begleitet. Eine umfassende Rezensionssammlung dokumentiert die beeindruckende Wirkungsgeschichte, vor allem von Das Brandmal. Im Nachwort werden die biografischen Hintergründe beider Werke sowie deren Rezeptionsgeschichte und literarische Bedeutung erstmals fundiert aufgearbeitet.
(Buchpräsentation Wallstein)