Ein Kriminalroman ist, wo gut und gerne gegessen wird

Vier aktuelle Bücher von Sandra Hughes, Ulrich Thalmann, Seraina Kobler und Peter Weingartner

Fokus vom 07.11.2022 von Beat Mazenauer

In seinem «Offenen Brief über die 'Zehn Gebote für den Kriminalroman'» versuchte sich Friedrich Glauser 1937 den Erfolg des Krimis damit zu erklären, dass der eigentliche Roman als «Kunstwerk» betrachtet werde und vor lauter Künstlichkeit all das vergessen habe, was ein gutes Buch ausmache: «Fabulieren, Erzählen, Darstellen von Menschen, ihrem Schicksal, der Atmosphäre, in der sie sich bewegen». Und weil dieser Roman auch die Spannung «als unkünstlerisch» verworfen habe, sei der Kriminalroman in die Bresche gesprungen – mit Erfolg. Achtzig Jahre später ist der Krimi in der Mitte der Literatur angekommen. Schreibende und Verlage haben sich des Genres angenommen, nicht zuletzt, weil sie auch auf den Verkaufserfolg schielen, den Krimis versprechen.
Erfüllen solche Kriminalromane aber auch die qualitativen Kriterien, die Glauser ins Feld führte? Betrachten wir vier Krimis, die in literarischen Verlagen erscheinen, aus der Feder von Autoren und Autorinnen, die teils auch schon mit «künstlerischen» Romanen in Erscheinung getreten sind.

Sandra Hughes: Tessiner Verderben

2006 debütierte Sandra Hughes mit einem literarischen Schelmenstück: Lee Gustavo, in dem sich zum Vergnügen der Leserschaft die abenteuerliche Unerschrockenheit der Heldin in der Sprache widerspiegelte. Vierzehn Jahre später erschien der erste Band ihrer Tessiner-Krimireihe rund um das Ermittlerduo Tschopp & Bianchi. Neu liegt nun deren dritter Fall auf. Der Plan, eine gemeinsame Agentur zu gründen, haben Tschopp und Bianchi noch nicht realisiert. Marco Bianchi steht weiterhin bei der Tessiner Polizei in Dienst, während Emma Tschopp, Ex-Kriminalpolizistin des Kantons Baselland, einer Freundin in ihrem Kindertagesheim im Valle di Muggio aushilft. Die Arbeit mit den Kleinen ist anregend, die Landschaft schön – nichts deutet darauf hin, dass auch hier seltsame Dinge geschehen. Als dennoch eine ausgehungerte unbekannte Leiche zum Vorschein kommt, sind Tschopp und Bianchi gefordert. Die Tote erweist sich bald als Opfer eines grausliches Mordes. Allein, wer ist sie? Die beiden machen sich daran und lösen den Fall mit Spürsinn und Glück. Das Resultat ist so überraschend wie am Ende fadenscheinig motiviert. Interessanter ist, wie Sandra Hughes dramaturgisch vorgeht. Bevor Tschopp und Bianchi überhaupt von der Toten erfahren, werden die Lesenden über die Umstände informiert. Die Autorin sammelt Beobachtungen und Berichte, die in meist kurzen Kapiteln aus der Perspektive von verschiedensten Personen erzählt werden. Sogar Emmas Hund und – in umnebelter Rede – die Tote selbst kommen zu Wort. Dabei pflegt die Autorin einen Erzählgestus, der zweifelhafte Andeutungen gerne spannungsvoll stehen lässt, um Hinweisen auf Geschichte, Gemäuer oder Gebräuche im Tal vom eigentlichen Plot abzulenken. Die Südtessiner Täler zeigen sich als pittoresker Anziehungspunkt für Öko-Aussteiger:innen.
Sandra Hughes' Roman erscheint im Kampa Verlag, der stark auf das Krimigenre setzt. Mehrere Reihen sind hier am Laufen, die als Gemeinsamkeit im Titel jeweils die Region mit einem Hauptstichwort verbinden: Tessiner Verderben, Bündner Abendrot, Engadiner Treibjagd usw. Dies lässt auf eine Serialität schliessen, die im vorliegenden Band erkennbar wird. Der Plot wirkt mässig zwingend und eher wie ein Vorwand für eine Lokalisierung in der Region. Das gelingt Hughes oft anschaulich und informativ. Störend sind zwei Aspekte. Zum einen neigt die Autorin zu stereotypen oder «originellen» Formulierungen wie «gnadenlos in die Mangel nehmen» oder einem Griff zum Aperoglas «mit wundgeklatschten Händen». Zum anderen spielt sich die ganze Handlung im engsten Bekanntenkreis von Emma ab. Um die Spannung er erhalten, heisst eine Figur nur namenlos «Kollege», obwohl die Lesenden darin längst einen der namentlich Verdächtigen erkennen. So gibt sich Tessiner Verderben als Krimi aus, der leicht und locker zu lesen ist, ohne aber bezüglich Stil und Plot allzu sehr nachzuwirken oder gar Irritationen zu erzeugen.

Beobachtung 1: Die modischen Regionalkrimis situieren ihre Plots häufig im unmittelbaren, persönlichen Umfeld der Ermittler, mit dem Effekt, dass sie durchschaubar werden. So passiert es, dass nicht mehr die Fahnder oder Kommissarinnen zu den Verdachtsmomenten finden, sondern umgekehrt die Verdachtsmomente im nahen Umfeld auftauchen und die Fahnder geradezu überfallen. Die enge persönliche Verbindung ist Motor der Handlung, weshalb sich die Fahndung auf den eigenen Bekanntenkreis beschränken kann. Nach Schema tauchen dann gerne zwei falsche Verdächtigte auf, bevor die unbescholtene Täterfigur gestellt wird.

Ulrich Thalmann: Emmeneggers Hochmoor

Auch für Kommissär Emmenegger ist es der dritte Fall, den der Luzerner Kantonspolizist für seinen Autor Ulrich Thalmann im Hochmoor von Finsterwald im Entlebuch löst. Nicht allein diesbezüglich reiht er sich ins Genre der seriellen Regionalkrimis ein. Es gibt auch hier kaum eine Figur, die nicht im engeren Beziehungsnetz Emmeneggers zappeln würde. Trotz oder wegen seines tadellosen Rufs neigt dieser dazu, offene Fragen direkt zu regeln, beispielsweise mit dem Piketoffizier Fritz: «der ist mir noch etwas schuldig». Und sein Team kann immer an Freunde aus dem Verein oder der Schule appellieren, um bürokratische Prozesse zu beschleunigen.
Die Ausnahme bildet auch hier die fremde Leiche. Als sie im Hochmoor ans Tageslicht kommt, sieht sich Emmenegger mit einem Fall konfrontiert, der vierzig Jahre zurückliegt. Damals, als in Finsterwald nach Öl und Gas gebohrt wurde, verschwanden zwei deutsche Ingenieure spurlos. Einer taucht nun wieder auf. Emmenegger macht sich an die Arbeit, auf der Spur jener Vorgänge, die Ulrich Thalmann seiner Leserschaft gleich eingangs erzählt. Wie bei Sandra Hughes wissen diese also mehr als die Fahnder, nur die tieferen Zusammenhänge gilt es noch «gemeinsam» aufzuklären. Anrüchig und somit spannend wird die Geschichte, als sich die Bundespolizei in Bern einschaltet und der Fall eine internationale Dimension annimmt.
Dem Verbrechen antwortet auch hier die heimatliche Vertrautheit und Nähe, die sich die Störung durch Mord und Betrug schleunigst vom Leib schaffen will. Solidarisch gelingt es Emmenegger und seinem Team, wobei sie sich weder das Privatleben, ihre Liebschaften, noch die gute Laune durch die Moorleiche nehmen lassen. Damit sind Stärken und Schwächen dieses Krimis angedeutet. Thalmann beschreibt Land und Leute mit grosser Empathie und feiner Übertreibung. Die Entlebucher sind ein spezielles Völkchen, selbst die beiden Slapstick-Polizisten Heinz und Röbi verdienen Nachsicht. Die Bundespolizisten dagegen stellen sich dumm wie selten an, was erheiternd zu lesen ist, doch dem Plot nicht unbedingt gut tut. Die derart gelöste Stimmung verleitet den Autor dazu, mit den Gefühlen zu spielen. Abrupte Stimmungswandel sind ein Kennzeichen seines Romans. Menschen sind wegen nichts erschüttert oder geraten unvermittelt «in Rage», um gleich wieder die Ruhe selbst zu sein. Solche Unstimmigkeiten erzeugen eine Aufgeregtheit, die nicht dem Plot geschuldet ist. Das verleiht Emmeneggers Hochmoor eine stilistische Überspanntheit, die den eher lauen Plot nicht wettmachen kann.

Beobachtung 2: Serien- und Ortskrimis sind im Kern Heimatromane, die sich eine persönlich greifbare Fahnder-Figur zu eigen machen, welche Morde aufklärt und mit ihrem Tun die Region ins (prächtige) Licht rückt. Dafür neigen diese Romane zu einem Übermass an Erklärungen, die alles richtig lokalisieren wollen. So lernen wir Regionen und ihre sympathischen Eigenheiten in touristischer Weichzeichnung kennen, mit einer Fülle von Informationen, die für den Plot respektive seine Lösung kaum relevant sind. Ja, es macht oft eher den Anschein, dass damit jene Spannung ersetzt wird, die der eigentliche Plot ohne Lokalkolorit und persönliche Sympathieeffekte nicht hergibt. Die heile Welt obsiegt so auch formal über das Verbrechen, das mit erfolgreicher Ermittlungsarbeit der Protagonisten möglichst schnell wieder aus der Region geschafft wird.

Seraina Kobler: Tiefes, dunkles Blau

So wie das Valle di Muggio ein wildes Tal und das Entlebuch eine sympathische Region ist, ist Zürich selbstredend eine der schönsten Städte. In ihrem ersten Zürich-Krimi, Tiefes, dunkles Blau, singt Seraina Kobler ein Hohelied auf die Stadt an See und Limmat. Ihre Fahnderin, die Seepolizistin Rosa Zambrano kennt ihre schönsten Ecken, wohnt sie doch selbst mitten im Niederdorf in einem kleinen Haus mit Garten. Und ihr Arbeitsort in Wollishofen am See steht dem kaum nach. Es scheint also alles bestens bestellt, wäre da nicht Rosas bisher unerfüllter Kinderwunsch. Immerhin ist sie schon 38. Für alle Fälle sucht sie Hilfe bei einem Arzt, der auf das Einfrieren von Eizellen spezialisiert ist. Doch dann kommt es, wie es muss: Ausgerechnet dieser Arzt wird leblos aus dem See gezogen – ein Fall also für seine Patientin Rosa Zambrano.
Auch Seraina Kobler setzt auf kurze Fahndungswege, indem sie den Mord ins persönliche Umfeld der Fahnderin verlegt und so das Private mit dem Beruflichen verbindet. Allerdings zieht das Thema weitere Kreise, geht es doch um eine technologische Innovation: um die Genschere CRISPR und um dunkle Machenschaften im Kreis der Start-up-Szene. Geld, Leidenschaft und Eitelkeit spielen da selbstredend mit. Seraina Kobler hat intensiv recherchiert, sie kann das komplexe Thema gut verständlich machen. Das ist eine der Stärken ihres Buches.
Der Mord in der gehobenen Gesellschaft, mit Callgirls und Yachten als Staffage, rückt allerdings in den Hintergrund. Elemente wie der Beziehungsstatus – Rosas Kompagnon Martin Weiß: «Stahlblaue Augen blitzten unter gewelltem Haar» – und weit ausgeprägter das Essen drängen sich vor. Niemand trinkt hier Tee, sondern nur Sencha und Matcha. Alles ist akkurat eingerichtet, das Küchenmesser stammt aus einer japanischen Manufaktur. Zürich at its best, eine reiche Lifestylestadt zwischen Molekularküche und Kryokonservierung. Mit Bezug auf den Krimi-Plot wirkt das mit der Zeit allerdings aufgesetzt, ebenso wie der Erklärungseifer, mit dem die Autorin die schönsten Ecken der Stadt wie aus dem Fremdenführer beschreibt. Nichts, was hier nicht Spitze wäre, weder das «weltweit grösste Anbaugebiet für Räuschling» noch die einst grösste Molkerei in ganz Europa.
Wie schon bei Thalmann und Hughes droht der eigentliche Plot in der Fülle von begleitenden Informationen zu verschwinden, während an diesem Plot selbst manches bis zum Schluss rätselhaft, schlecht ausgeleuchtet bleibt. Dies auch, weil die Figuren kaum richtig Kontur erhalten, Rosa ausgenommen. Die Leserschaft rätselt nicht mit, sie erhält eher Gang um Gang ein Fertigmenü vorgelegt, das sich um Stimmung, Spannung, Speed bemüht, ohne die nötige detektivische Sorgfalt in der Formulierung. Am Ende aber, und das wäre die Botschaft, kann eine Unwägbarkeit wie der Mord an einem Goldküsten-Chirurgen der Schönheit des Lebens in Zürich nichts anhaben.

Beobachtung 3: Der Krimi wird zu einem Trägermedium für marginale Aspekte, ganz so wie das Fischstäbchen für die Mayonnaise, um beim Essen zu bleiben. Seraina Kobler steigert die Kulinarik, die schon bei Thalmann und Hughes angelegt ist, noch einmal um allerlei Köstlichkeiten. Die Qualität der beschriebenen Speisen macht ihr so leicht niemand nach. Nur zu gerne wird der Regionalkrimi zum verkappten Gourmetführer durch die regionale Küche und ihre Spezialitäten.

Peter Weingartner: Vollmondhonig

Dem Essen kann auch Peter Weingartner nicht widerstehen, doch bei ihm geht es entschieden bodenständiger zu. Gleich im ersten Abschnitt klopft der Serien-Polizist Anselm Anderhub ein Spiegelei in die Pfanne und brät Speckstreifen dazu. Dazu gibt es frischen Butterzopf. Den sonntäglichen Morgenbrunch lässt er sich nicht nehmen, mag passieren, was will. Doch wenig später wird ein grauslicher Fund entdeckt: eine unbekannte junge Frau in einem Erdloch. Anderhub und das Team von der Luzerner Polizei machen sich auf, eruieren die Identität der Toten, stossen auf das seltsame Gebaren ihres letzten Arbeitgebers und weitere Auffälligkeiten. Allerdings erweist sich der Fall, dem gleich ein zweiter auf dem Fuss folgt, als nicht allzu komplex konstruiert, weswegen es Anderhub gemächlich angehen kann. Er ist ohnehin eher der Geniesser als der akribische Fahnder.
In Sursee als Ort der Handlung herrscht eine landschaftliche Behäbigkeit, die Peter Weingartner trefflich einfängt. Die Wege sind kurz, selbst wenn der Fundort der Leiche etwas ausserhalb liegt und die Kriminalpolizei in der Stadt Luzern ihre Zentrale hat. Im Zentrum steht der in Sursee wohnhafte Anderhub, er bestimmt den Gang der Dinge auch da, wo sein Autor munter die Erzählperspektiven variiert. Anderhub ist ein Charakterkopf mit allen Stärken und Schwächen. Er plaudert seine verwickelten Gedankengänge frisch von der Leber aus, weshalb seine Sprechweise und seine gedanklichen Abschweifungen diesem Krimi den Stempel der Originalität aufdrückt. Geradezu pingelig achtet er auf den durch den Dativ bedrohten Genitiv. Allerdings tut er diesbezüglich des Guten zu viel. Anderhubs sprühender Witz neigt dazu, zu «verschwurbeln», wie er es selbst ausdrücken würde. Der ausgefuchste Rhetoriker klingt oft ausgesprochen langfädig und ungelenk. Aus der einfachen Geduld wird ein «Wartevermögen», der noch nicht festgetretene Boden «harrt in seiner Weichheit der Verdichtung», «männiglich und weibiglich» ergänzen sich, und der zornige Kripochef «kotzt nur noch verbale Brocken». Auch einfachen Metaphern misstraut Anderhub, so dass er sie lieber gleich erklärend definiert. Beispielsweise die «Tränen, die Anderhub mit einem grossen Reptil mit scharfen Zähnen und warziger Haut, das vornehmlich in Flüssen südlicher Gefilde … in Verbindung brachte.» Solche sprachlichen Ungetüme beschweren die Anschaulichkeit und Empathie, mit der Weingartner seine Menschen und ihre Landschaft porträtiert. Sie machen den geradlinigen, einfachen Plot nur sprachlich kompliziert. Und insgeheim stellt sich die Frage, wo die humorige, zugleich doppelbödige Leichtigkeit geblieben ist, die beispielsweise Weingartners Roman-«Blues» Rosa grast am Pannenstreifen (2015) ausgezeichnet hat.

Fazit

Die kurze Momentaufnahme ist ernüchternd. In diesen vier Beispielen schrumpft die Vielfalt der Krimi-Neuheiten, die alljährlich erscheinen, auf eine Reihe von stereotypen Elementen zusammen, die Spannung eher ersetzen als erzeugen. Jedes der Bücher hat seinen Charme und seine Stärken, doch mit Rücksicht auf den kriminologischen Thrillfaktor enttäuschen sie. Vor allem aber können sie auch stilistisch nicht überzeugen. Es überrascht, dass Sandra Hughes, Seraina Kobler (Regenschatten) und Peter Weingartner literarisch nicht an ihre vor-kriminologische Prosa heranreichen. Vielleicht ist das dem Genre des seriellen Regionalkrimis geschuldet. Seine Produktionsgesetze scheinen die stilistische Freiheit und Originalität in enge Bahnen zu lenken, um primär die Erwartungen des Publikums zu bedienen. Gewiss gibt es Ausnahmen. Vielleicht Gian Maria Calonder alias Tim Krohn, der in seinen Engadiner-Krimis zwar ebenfalls die genannten Stereotypen bedient, dies aber mit sprachlicher Geschmeidigkeit und einem Augenwinkern tut, das verrät, dass sich der Autor bewusst ist, dass er sich einem Genre unterordnet.
Und ja, auch der eingangs erwähnte Friedrich Glauser hat eine Krimiserie um Wachtmeister Studer geschrieben. Gerade sein Beispiel zeigt allerdings, wozu das Krimigenre fähig ist. Glauser schuf ebenfalls Szenen und vermittelte Informationen über Essen, Land und Leute. Bei ihm ist das aber nie Selbstzweck, vielmehr stehen alle Elemente mit Spannung und Stimmung in Einklang. Auf diese Weise charakterisiert Glauser seinen bodenständigen Studer wie auch die «armen Cheiben» als Teil eines gesellschaftlichen Systems, in dem Ungleichheit und Kriminalität ihren Platz haben.
Solche Appelle an die Vergangenheit haben etwas Billiges, gewiss: Und dennoch hat Glauser mit unvergleichlichem literarischem Gespür Figuren geschaffen, die sich tief in die Schweizer Literatur eingeprägt haben, nicht nur Studer, auch Erwin Schlumpf und wie die «armen Cheiben» alle heissen. Meisterhaft erzählt bleiben sie als Stachel der Ungerechtigkeit und Ungleichheit im Bild unserer Schweiz stecken, auch wenn Studer die Morde aufgeklärt hat.
Der Krimi wird bei Friedrich Glauser zum Sittenbild seiner Zeit. Und die Spannung erweist sich als eine wichtige erzählerische Tugend, die längst auch in «künstlichen» Romanen Anwendung findet.