Levin Westermann

Levin Westermann

Levin Westermann wurde 1980 in Meerbusch (D) geboren. Er studierte  an der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie an der Hochschule der Künste Bern. 2014 erhielt et den Orphil-Debütpreis der Stadt Wiesbaden. Levin Westermann lebt in Biel/Bienne.

Bibliographie

Lyrik, Berlin, Mattes & Seitz, 2017. Lyrik, Berlin, Mattes & Seitz, 2017.

«Mondlicht steht am Wasser. Der Mann steht am Ufer.
Die Nacht – kalt auf seiner Haut. Er schliesst die Augen.
Stellt sich vor, er nähme den Mond und versänke ihn im See.
Stellt sich vor, er nähme die Sterne und versänke sie im See.
Stellt sich vor, er nähme den Abgrund Himmel und versenke ihn
im Abgrund See. Dann öffnet er die Augen, tut es – –»

Achilles rast mit 130 ohne Rücklicht und Rücksicht durch die Nacht. Der Krieg um Troja tobt noch immer. Während der attische Held, aus Zeitmangel ungeduscht und blutverschmiert, zwanzig Minuten nach Ende der Schlacht eine Pressekonferenz gibt und Simone Weil zitiert, schreibt Westermann mit rauchender Feder eine Kantate aus infinitesimal klein scheinenden Intervallen der Reflexion. Waren wir eben noch mit Tschechow unterwegs, dürfen wir nun mit dem Dichter unter dem Wahrzeichen jenes Asteroiden, des Planetesimalen mit dem Namen 3511 Zwetajewa, durch das Leben seiner Namensgeberin gehen. Briefe, Bilder, Beziehungen bringt er dabei auf den Vers: «Sie glaubte an das Gute im Menschen, daran, / dass dem, der Gutes tut, auch Gutes widerfährt.» Am Ende wird ein ganzer Kosmos zu versenken sein. Doch aus Levin Westermanns Sprachinfinitesimalen werden Sehnsüchte neu entstehen.

(Buchpräsentation Matthes & Seitz)

Unbekannt verzogen , Lyrik, Wiesbaden, Luxbooks, 2012.